Des Pudels dampfender "Kern"

11. August 2003, 10:21
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Das Hundeklo vor den Schlafzimmerfenstern - Josefstädter proben Aufstand

Wien - "Ich werde langsam zu einer Spira-Figur." Der Journalist Florian Klenk würde sich gerne mit anderen Dingen beschäftigen. Aber wann immer er auch die Fenster seiner Wohnung öffnet, stets erquickt ihn neben Gebell auch das Odeur von frischem wie altem Hundekacka und Hundepipi. Darauf, bedauert Klenk, stehe er nun mal nicht.

Klenk wohnt im zweiten Stock. Ein Glück: Im Erdgeschoß des Hauses beim Tigerpark in der Josefstadt kommen noch Fliegen dazu. Und über den Ausblick, den der Bewohner der Souterrainwohnung hat, will nicht einmal der hier mit einem Fenster in Haxerlhebehöhe gesegnete Pensionist reden: Es sei zu eklig.

"Das hier", zürnt Klenk namens der Bewohner des Hauses, "ist ein Klo. Und wir wollen nicht an einem Klo leben." Also sollen die Hunde weg.

Sache hat einen Haken

Die Sache hat nur einen Haken: Das Hundeklo vor den Schlafzimmerfenstern ist eine - ganz legale, amtlich errichtete - Hundezone. "Sollen sie halt wegziehen", legt eine Hundebesitzerin ihre Prioritäten in Fragen urbaner Raumordnungsfragen klar. Schließlich, so eine andere, "war die Hundezone da, bevor das Haus auf dieser Seite Fenster bekommen hat". Man sei überdies nicht gewillt, sich dem "Terror der Hundehasser" zu beugen. Wenn da beim Lokalaugenschein am Mittwoch der doch eigentlich als Vermittler eingesetzte Mann von der Gebietsbetreuung sage, im Zweifelsfalls sei "ein Fenster ein höheres Gut als eine Brunzstelle für Hunde", wisse man schon, woher der Wind wehe.

Verzicht

Doch auch die Bezirksvorsteherin (Margit Kostal, ÖVP) kündigt gegenüber dem STANDARD an, "im allerschlimmsten Fall" werde der Bezirk wohl "auf die Hundezone verzichten müssen". Vorher aber soll der Boden ausgewechselt werden ("Das Erdreich ist mit Urin ja regelrecht kontaminiert") und eine nächtliche Zonen-Sperrstunde ("Wenn das Beislbesuchern zugemutet wird, muss das auch bei Hunden gehen") verhängt werden. Am liebsten, seufzt Kostal, würde sie ja "eine Lösung finden, die keinem weh tut." Aber das, weiß die Bezirksvorsteherin als professionelle Wienerin, "wird es wohl nicht spielen". Weil sonst irgendwann sogar Elizabeth Spira die Figuren ausgehen würden. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 7.8.2003)

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