Präsidentensohn in Baku bereitet sich auf Erbe vor

8. August 2003, 08:48
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Kopf des Tages: Ilham Alijew, neuer Premier Aserbaidschans und bald Präsident

Die Oppositionellen in Baku haben es immer schon gewusst: Auch der nächste Staatspräsident in Aserbaidschan wird Alijew heißen und der Sieben-Millionen-Staat nach dem Vorbild Syriens oder Nordkoreas geräuschlos in eine inoffizielle Monarchie übergehen.

Haidar Alijew, der die frühere Sowjetrepublik am Kaspischen Meer im Grunde seit mehr als drei Jahrzehnten mit fester Hand regiert - zuerst als KP-Chef, dann aus dem Politbüro in Moskau und seit 1993 als Staatschef des unabhängig gewordenen Aserbaidschan - hat seine Nachfolge längst bestellt. Im letzten Streich wurde Sohn Ilham zu Wochenbeginn im Parlament in Baku zum Regierungschef gewählt. Stirbt der Staatschef, übernimmt der Premier auch dieses Amt. Eine Verfassungsänderung hat es möglich gemacht.

Ilham sei eben der Beste, sagte Alijew, als er noch bei Gesundheit war und Interviews gab, "es ist nicht seine Schuld, dass er mein Sohn ist". Seine Eltern kann man sich eben nicht aussuchen.

Allerdings hat Sohn Ilham schon einiges Glück gehabt: 1961 in Baku geboren, graduierte der Spross des Funktionärsehepaars Alijew 1982 am Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen in Moskau. Dort lehrte er nur wenige Jahre später auch gleich selbst, bis Vater Alijew 1990 aus dem Politbüro verstoßen wurde und beide zurück in den Kaukasus gingen. Ilham Alijew wurde Geschäftsmann, Haidar setzte zum Sturm auf das Präsidentenamt an. Es waren die Jahre, in denen Ilham auch seinen Ruf als Playboy und Lebemann begründete. In den neuen Kasinos Aserbaidschans soll er so viel Geld verspielt haben, dass Vater Alijew kurzerhand alle Kasinos schließen ließ.

Seitdem macht Ilham in der Politik Karriere. "Ich will hier eine neue Generation von Unternehmern aufsteigen sehen, dann werden die Leute frei sein", gibt er als Programm vor: "Das ist meine Vorstellung von persönlicher Freiheit." 1999 zog Alijew junior als Abgeordneter ins Parlament in Baku ein, seit drei Jahren ist er stellvertretender Vorsitzender der Präsidentenpartei "Neues Aserbaidschan" und häufte auch sonst einflussreiche oder wenigstens repräsentative Posten an: Vizepräsident des staatlichen Ölkonzerns Socar seit 1994, Leiter des nationalen olympischen Komitees und der aserbaidschanischen Delegation bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarats.

Ilham spricht fließend Russisch, Englisch und Französisch. Der Vater dreier Kinder gilt als angenehmer, leicht zugänglicher Gesprächspartner. Für die Präsidentschaftwahlen am 15. Oktober hat er sich bereits registrieren lassen - als einer von zehn Mitbewerbern neben seinem Vater. Ein vorzeitiger Tod des kranken Alijew würde seinen Weg ins Präsidentenamt nur verkürzen. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2003)

Von Markus Bernath
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    Vater und Sohn: Aserbaischans ehemailger Führer Haydar Alijew gefolgt von seinem Sohn Ilham. (Archivfoto von 1999)

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