Afrikanische Vertretungen fordern Rücktritt Strassers

14. August 2003, 15:29
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Unverständnis über Verbleib der Beamten im Dienst für afrikanische "Association for Democracy"

Wien - Im Zusammenhang mit dem Fall des unter aufklärungsbedürftigen Umständen im Afrika Kulturdorf im Wiener Stadtpark ums Leben gekommenen Mauretaniers Cheibani W. forderten die Association for Democracy in Afrika (ADA) und das Austrian Network against Rassism (ANAR) am Mittwoch, erneut den Rücktritt von Innenminister Ernst Strasser (V) und die Suspendierung der beteiligten Beamten. Auf einer Pressekonferenz wehrten sie sich auch gegen die Vorverurteilung, alle Schwarzafrikaner seien Drogendealer.

"Nach dem tragischen Tod unter diesen Umständen fragen sich die Afrikaner, wer stirbt als nächster", sagte ADA-Vorstandsvorsitzender Chucks Ugbor. Es sei nicht zu verstehen, dass die Beamten weiter im Dienst sind. Neben Strasser müsse aber auch der Wiener Polizeipräsident Peter Stiedl gehen. Der Weiterverbleib der Beamten und Politiker in ihren Ämtern "ist inakzeptabel und erhärtet den Verdacht von Formen des Rassismus" in Österreich.

Drogenproblematik

Ugbor kritisierte auch die derzeitige Einstellung zur Drogenproblematik in Österreich. Es sei zu wenig, nur die kleinen Verkäufer zu strafen. Auch die Konsumenten müssten überprüft und behandelt werden. Bei der Entwicklung von Strategien zur Drogenproblematik sollten auch alteingesessene Afrikaner miteinbezogen und um Rat gefragt werden.

Nur ein Rücktritt des Innenministers ermögliche der Exekutive nach dem Tod von Cheibani W. eine Rehabilitation, so Ditutu Bukasa vom ANAR. Denn wenn die Beamten wirklich nur nach ihren Dienstanweisungen gehandelt hätten, sei Strasser für das brutale Vorgehen verantwortlich.

Gesetzmäßigkeiten des Rassismus

Füt Bukasa zeigt die Art, wie der Todesfall des Mauretaniers abgehandelt wird, eine ganz deutliche Richtung in der Gesellschaft. "Die Gesetzmäßigkeiten des Rassismus kehren in einer anderen Generation wieder", so Bukasa. Deshalb sei mehr Zivilcourage der Bevölkerung nötig, um die Regierung aufzurütteln, denn "die Macht, die der Regierung gegeben wurde, ist nur eine verliehene Macht".

"Afrikaner werden immer nur mit Drogen in Verbindung gebracht", kritisierte Joe Taylor von der ADA. Völlig vergessen würden aber die sozialen, wissenschaftlichen und finanziellen Leistungen, die diese Gruppe in Österreich vollbringt. In Zukunft dürfen Afrikaner in Österreich nicht mehr als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, sagte Taylor. Es muss alles getan werden um Vorfälle, wie der Tod von Cheibani W. zu verhindern. Letztendlich sei aber auch die Wortwahl in den Diskussionen entscheidend. Da habe vor allem Strasser nicht immer eine glückliche Hand bewiesen, so Taylor. (APA)

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