Es ist soweit: Island bejagt wieder Wale

11. August 2003, 14:04
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"Wir brauchen die wissenschaftlichen Fänge, um den Einfluss der Wale auf unsere Fischereiressourcen studieren zu können ..."

Reykjavik - Islands Regierung hat am Mittwoch 38 Zwergwale zum Abschuss "für wissenschaftliche Zwecke" freigegeben. Wie das Fischereiministerium in Reykjavik mitteilte, soll Ende des Monats erstmals nach 14 Jahren mit der Jagd in den Gewässern um die Nordatlantik-Insel begonnen werden. Diesen von Tier- und Umweltschützern heftig kritisierten Schritt hatte Island bereits im Juni bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Berlin ohne zeitliche Festlegung angekündigt.

Fischereiminister Arni M. Mathiesen sagte nach Bekanntgabe der Jagdfreigabe in Reykjavik: "Wir brauchen die wissenschaftlichen Fänge, um den Einfluss der Wale auf unsere Fischereiressourcen studieren zu können." Die zu Hunderttausenden im Nordatlantik schwimmenden Zwergwale gelten als nicht gefährdete Art, sind aber wie alle anderen Arten durch das seit 1982 geltenden Verbot des gesamten kommerziellen Walfangs geschützt. "Wir sind mit unserer Quote wirklich einen minimalistischen Weg gegangen und hoffen auf Verständnis aus anderen Ländern", sagte Mathiesen. Die wissenschaftlichen Fänge seien "absolut legal" und hätten nichts mit der kommerziellen Jagd auf Wale zu tun.

"Es gibt keine haltbare Grundlage für einen wissenschaftlichen Walfang"

Walschützer hatten diese Argumentation in der seit den achtziger Jahren über die damals wie heute auch in Japan durchgeführten "wissenschaftlichen" Fänge zurückgewiesen und meinen, sie würden als Vorwand für die kommerzielle Verwendung von Walfleisch nur vorgeschoben. "Es gibt keine haltbare Grundlage für einen wissenschaftlichen Walfang", sagte der Direktor des Internationalen Tierschutzfonds (IFAW), Fred O'Regan. Der Walfang werde zudem möglicherweise wichtige Wirtschaftszweige wie das Whalewatching von Touristen negativ beeinflussen.

Norwegens Regierung hat seit den neunziger Jahren jedes Jahr jeweils mehrere hundert Zwergwale für die kommerzielle Jagd freigegeben. Oslo wirft wie auch die Regierungen von Island und Japan der Mehrheit der IWC-Mitgliedsländer vor, eine differenzierte Behandlung von Walarten je nach ihren Bestandsgrößen zu blockieren. (APA/dpa)

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