"Erst sammeln nach langer Unsicherheit"

14. August 2003, 11:09
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Premiere-Chef Georg Kofler will ProSiebenSat.1 nicht für Saban führen - ARD und ZDF verstopfen den Markt, meint er im STANDARD-Interview - beim ORF sieht er das nicht so eng

STANDARD: Sie kommen gerade von der Präsentation der - erfreulichen - Halbjahreszahlen für Premiere. Nach dessen Sanierung könnten Sie beim nächsten Kirch-Erbstück damit anfangen: ProSiebenSat.1.

Kofler: Wir haben noch genügend Hausaufgaben bei Premiere zu erledigen.

STANDARD: Der Job interessiert Sie nicht? Urs Rohner soll ja nicht lange Vorstandschef von ProSiebenSat.1 bleiben.

Kofler: Ich bin an Premiere mit eigenem Geld mit zehn Prozent beteiligt. Das bleibt auch mein Engagement.

STANDARD: Soll heißen: Werbefinanziertes, frei empfangbares Free-TV wie RTL oder Sat.1 hat keine rosige Zukunft?

Kofler: Premiere ist heute da, wo wir mit Pro Sieben 1991, 92 waren: Man weiß, es geht,aber man hat noch 80 Prozent des Weges vor sich. Das ist ein spannendes Pioniererlebnis. Aber wird werbefinanziertes Free-TV gut gemanagt, wie man es bei Gerhard Zeiler sieht, der einen Bombenjob bei RTL macht, ist es auch in zehn Jahren ein interessantes, profitables Geschäft.

STANDARD: Trauen Sie Hans Mahr, bei RTL zweiter Mann hinter Zeiler, die Führung von ProSiebenSat.1 zu?

Kofler: Zeiler wie Mahr machen einen tollen Job bei RTL und verstehen das Free-TV- Geschäft, keine Frage.

STANDARD: Wie wirkt sich Sabans Übernahme aus?

Kofler: Im Alltag wird man das nicht so sehr merken. Sie werden erstmal damit beschäftigt sein, sich nach der langen Unsicherheitsphase zu sammeln, eine Strategie zu entwickeln. Ich hoffe für Saban, dass er das richtige Management findet.

STANDARD: Schwenk zu den Öffentlich-Rechtlichen, die mit Gebührengeld Fußballrechte aufkaufen. Was stört Sie?

Kofler: Das ist kein fairer Wettbewerb. Die Privaten müssen aufgrund der Werbekrise sanieren, ARD und ZDF expandieren fröhlich vor sich hin, kaufen den Privaten Programme und Stars weg und werden immer fetter, auch im digitalen Fernsehen. Sie verbauen und verstopfen systematisch Marktchancen der Privaten.

STANDARD: Wenn Sie so über ARD und ZDF sprechen, wie erst über den ORF?

Kofler: Für ATV+ ist die Situation natürlich schwierig gegen den übermächtigen ORF. Das ist ein anderer Markt: Österreich kann sich keinen so großen Wettbewerb leisten im Fernsehmarkt. Im Zweifel ist mir ein leistungsfähiger ORF lieber als zwei halb kranke Privatsender.

STANDARD: Zurück zum Bezahlfernsehen ...

Kofler: Abofernsehen heißt das. Bezahlfernsehen sind ARD, ZDF, ORF ...

STANDARD: Wie viele Menschen werden nach Ihren Hoffnungen einmal Pay-TV haben?

Kofler: Wir rechnen mit 15 bis 20 Prozent der Haushalte.

(DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2003)

Zur Person

Der Südtiroler Georg Kofler (49) war Mitarbeiter von ORF-General Gerd Bacher, baute Pro Sieben auf, leitet nun das Abo-TV Premiere.

Die Fragen stellte Harald Fidler.

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