Mazedonischer Junge im Kinderheim gelandet

7. August 2003, 14:37
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"Odyssee" des Zwölfjährigern geht weiter - nach Kärnten Station in Bayern

Klagenfurt - Die "Odyssee" jenes knapp zwölf Jahre alten Buben, der am Wochenende in Kärnten aufgegriffen worden war, ist noch immer nicht zu Ende. Rushit M. befindet sich zwar seit Mittwoch in Deutschland, aber noch nicht bei seinem Vater in Aachen. Er ist vorläufig im bayerischen Bad Reichenhall in einem Kinderheim untergebracht, wo er auf den Weitertransport wartet.

Mit dem Bus zurück

Rushit lebt seit einigen Jahren bei seinem Vater und dessen Lebensgefährtin in Aachen. Weil die Aufenthaltsbewilligung abgelaufen war, setzte der Vater den Buben am Samstag in Aachen in den Bus in die Heimat, wobei ein Bekannter als Begleitperson fungierte. Am Grenzübergang Karawankentunnel verweigerten die slowenischen Behörden die Einreise, weil der Reisepass des Buben abgelaufen war. Er musste zurück bleiben, während der Bekannte nach Totovo in Mazedonien weiterfuhr und von dort aus den Vater unterrichtete.

Station Villach

Inzwischen war Rushit in einen Bus zurück nach Deutschland gestiegen. Auf dem Autobahnrastplatz in Feistritz/Drau (Bezirk Villach-Land) stieg er aus, weil er offensichtlich nicht mehr zurück nach Deutschland wollte. Es könnte aber auch der Fall sein, dass Rushit den Bus verpasst hatte. Er selbst hat dazu noch keine Angaben gemacht.

Am Sonntag um 1.15 Uhr wurde er jedenfalls von der Autobahngendarmerie aufgegriffen. Der Bub berichtete den Beamten, dass seine Eltern ohne ihn im Bus Richtung Mazedonien gefahren seien. "Sie sind vorne gesessen, ich habe im rückwärtigen Teil geschlafen, sie haben nicht bemerkt, dass ich aus dem Bus gestiegen bin", gab er an.

Verwirrung

Bei der Einvernahme durch die Fremdenpolizei erzählte Rushit dann am Montag, dass er von zu Hause ausgerissen sei, weil er mit dem Vater Streit gehabt hätte. Dieser habe gedacht, sein Sohn sei über das Wochenende bei einem Freund. "Ich wollte zur Großmutter in die Heimat, aber ich bin nicht über die Grenze nach Slowenien gekommen", gab er an. Mittlerweile war in Deutschland bekannt geworden, dass Rushit das Aufenthaltsrecht verloren habe. Damit konfrontiert gab er schließlich zu, vom Vater in den Bus gesetzt worden zu sein.

Am Mittwoch wurde der Bub von der Kärntner Gendarmerie nach Salzburg gebracht und über die Kontaktstelle der Polizei den deutschen Behörden übergeben. Sein Fall hat inzwischen auch im Nachbarland großes Medieninteresse ausgelöst.(APA)

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