Kopf des Tages: Schwieriger Weg des schwulen Kirchenführers

18. August 2003, 19:23
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Bischofsanwärter V. Gene Robinson spaltet die US-anglikanische Kirche

Bei seiner Wahl zum Bischof der US-anglikanischen Kirche waren die beiden Töchter des homosexuellen Geistlichen anwesend, nicht aber sein Lebenspartner. Vicky Gene Robinson hatte es von Anfang an nicht leicht. Schon seine Geburt (1947 in Lexington, Kentucky) war fraglich; so gefährlich, dass der Doktor den bangenden Kindsvater bat, im Voraus einen Namen zu nennen, falls eine Totgeburt eine Sterbeurkunde erforderlich machen sollte. Die Eltern Charles and Imogene Robinson hatten ein Mädchen erwartet, also antwortete der Tabakfarmer Charles, das Kind solle Vicky Imogene heißen.

Das Kind überlebte, bekam den männlichen Vornamen Gene dazu (voller Vorname seither: V. Gene) und schreckte die Eltern vorerst mit einer körperlichen Missbildung, die aber später zurückging. Aufgewachsen in einer streng religiösen Gemeinde, in der es kaum Toleranz für Minderheiten gab, fühlte Gene schon als Jugendlicher seine homosexuelle Neigung, die er aber "heilen" wollte. Er schloss 1969 ein Geschichtsstudium ab und wandte sich dann seiner Ausbildung als Priester zu.

Als er 1970 Isabella Martin kennen lernte, gestand er ihr seine Neigung zum gleichen Geschlecht. Die beiden beschlossen zu heiraten und gemeinsam diese Neigung zu "besiegen". Das Paar bekam zwei Töchter, Gene wurde Priester. Dennoch, nach einigen Therapien wurde die Ehe geschieden, Gene bekannte sich öffentlich zur Homosexualität und fürchtete, aus der anglikanischen Kirche ausgeschlossen zu werden.

Aber sein Mentor, Bischof Douglas Theuner, wollte ihn wegen seiner Kompetenz als Kleriker halten und machte ihn zu seinem Assistenten. Eigenen Aussagen nach hat Theuner dies nie bereut, Robinson habe sich als rühriger Geistlicher gezeigt, der auch die Jugend für die Kirche begeistern könne. Außerdem habe er vorbildlich an der Aidshilfe für Afrika und an Selbsthilfegruppen für homosexuelle Jugendliche mitgewirkt.

Seit 14 Jahren lebt Robinson mit Mark Andrews in eheähnlicher Gemeinschaft. Sie teilen auch die Leidenschaft für Kochen, Gartenarbeit und Musik. Seine Exfrau und seine Töchter sind ihm sehr zugewandt und unterstützen seine Ernennung zum Bischof. Nun steht er als Oberhaupt der Diözese New Hampshire 12.000 anglikanischen Gläubigen vor.

Im Streit um diese Ernennung bat Robinson seine Unterstützer um Nachsicht für die Gegner seiner Bestellung, die ihm nun auch sexuelle Übergriffe vorwerfen. Seine Bemerkung dazu beweist auch sein Talent, für sich zu werben: "Wir werden der Welt zeigen, was christliche Gemeinschaft bedeutet."(DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2003/red)

Von Klaus-Peter Schmidt
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    Vicky Gene Robinson strahlt über beide Ohren: er wurde zum Bischof in New Hampshire gewählt.

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