Neue Annäherungen zwischen Prag und Berlin nach Streit um Sudetendeutsche

7. August 2003, 19:01
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Ein Jahr nach Schrödes Reiseabsage und Zemans Aussage Sudetendeutsche seien "fünfte Kolonne Hitlers" fährt der Kanzler nach Tschechien

Prag - Ein Jahr nach einer heftigen Kontroverse um die Vertreibung der Sudetendeutschen hat der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einen Arbeitsbesuch in Prag für den 5. September angekündigt. Im März 2002 hatte Schröder seine Prag-Reise ohne Begründung abgesagt. Zuvor hatte der tschechische Ex-Premier Milos Zeman Sudetendeutsche als "fünfte Kolonne Hitlers" bezeichnet. Vor dem Kanzler werde Außenminister Joschka Fischer (Grüne) am 26. August in Prag erwartet, teilte das tschechische Außenministerium am Mittwoch mit.

Die Reise im September wird der erste offizielle Arbeitsbesuch des Kanzlers in Tschechien sein. Schröder hatte zwar im Herbst des vergangenen Jahres am NATO-Gipfel in Prag teilgenommen. Damals gab es ein bilaterales Gespräch mit US-Präsident George W. Bush, nicht aber mit Regierungschef Vladimir Spidla. In Prag wird nun erwartet, dass Fischer und Schröder mit ihren tschechischen Gesprächspartnern auch dunkle Kapitel der gemeinsamen Vergangenheit erörtern werden.

Fischer werde bei einem Treffen des diplomatischen Corps zum Thema "Die Gestalt des künftigen Europas" sprechen, sagte der Prager Außenamtssprecher Vit Kolar. Er wird auf Außenminister Cyril Svoboda (Christdemokrat) und Premier Spidla (Sozialdemokrat) treffen. Eine Zusammenkunft mit Präsident Vaclav Klaus wurde bisher nicht bestätigt.

Die tschechische Regierung wollte am Mittwoch erstmals über eine größere Entschädigung für Angehörige der deutschen Minderheit beraten. Ein konkretes Projekt wird das sozial-liberale Kabinett vermutlich im Herbst verabschieden. (APA/dpa/CTK)

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