Ikea-Chef: Regelung ein "Kasperltheater"

8. August 2003, 11:08
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Österreich-Boss Urs Meier kritisiert Verordnung - Er will in der SCS jeden Tag bis 21 Uhr offen halten - Sein Möbelhaus spürt die Konsumflaute

Wien - "Ich bin es müde, dieses Kasperltheater zu kommentieren, das es um die Öffnungszeiten gibt", sagte Ikea Österreich-Chef Urs Meier zu dem Ergebnis, das die jüngste Novelle der Öffnungszeiten im Handel bis dato gebracht hat. Ikea wolle zumindest im Stammhaus in Vösendorf bei der SCS täglich bis 21 Uhr offen halten, allerdings nicht im Alleingang. Ab 4. September werde Ikea jedenfalls in Vösendorf und Wien Nord am Donnerstag bis 21 Uhr und am Samstag bis 18 Uhr aufgesperrt.

Derzeit gebe es Gespräche mit der SCS für weitergehende Schritte. Meier hofft, in den nächsten Monaten "einen Konsens zu finden. Spielraum für längere Abendöffnung sei noch vorhanden, weil Ikea derzeit rund 56 Stunden - von 66 möglichen - offen hat. Das Argument, dass der Handel die Möglichkeiten der Öffnungszeiten schon bisher nicht ausgeschöpft habe, gegen eine weitere Ausdehnung der Öffnungszeiten zu verwenden, ist nach Meiers Ansicht unzulässig: "Es macht keinen Sinn um 7 Uhr in der früh aufzusperren, da kommen keine Kunden".

Umsatzzuwächse möglich

Umsatzzuwächse durch die neuen Öffnungszeiten sind nach Ansicht des Ikea-Chefs möglich, aber wegen der unterschiedlichen Regelung in den Bundesländern schwer zu prognostizieren. Er erhofft sich in erster Linie eine Verbesserung des Einkaufserlebnisses, besonders am Freitagnachmittag und Samstag, wo etwa Ikea Nord macht 50 Prozent des Umsatzes macht.

Ein Thema bleibe für Ikea bleibe weiter die Sonntagsöffnung, "das ist aber mit der derzeitigen gesetzlichen Handhabe nicht möglich". "Wichtig wäre, dass man endlich aufhört, die Konsumenten zu bevormunden", so Meier. Wenn der Sonntag nicht gewünscht werde, werde niemand sein Geschäft aufsperren.

Zurückhaltung spürbar

Auch das schwedische Möbelhaus Ikea spürt die Zurückhaltung der Kunden bei großen Anschaffungen. Der Umsatz der Österreich-Tochter wird im Geschäftsjahr 2002/03 (per 31. August) zwar voraussichtlich um 1,7 Prozent auf 352 Mio. Euro (brutto) steigen. Flächenbereinigt um den Aus- und Zubau im Stammhaus in Vösendorf blieb der Umsatz der 5 Ikea-Häuser jedoch um 3 bis 4 Prozent hinter dem Vorjahreswert.

Mit Prognosen für das kommende Geschäftsjahr 2003/04 ist die Ikea-Führung vorsichtig: Der Umsatz der bestehenden Häuser werde sich "ähnlich wie heuer" entwicklen sagte Meier mit Hinweis aus die flaue Wirtschaftslage bei der Jahrespressekonferenz am Mittwoch vor Journalisten. Das neue Ikea-Möbelhaus in Salzburg, dass nach nur neun Monaten Bauzeit im kommenden November eröffnet wird, soll im ersten Jahr rund 54 Mio. Euro Umsatz bringen.

Investitionen

In den kommenden 14 Monaten will Ikea quasi als Antwort auf die Konsumflaute insgesamt rund 135 Mio. Euro investieren, rund 64,5 Mio. Euro allein in Salzburg. Fast ebenso viel, 63,7 Mio. Euro, sollen in den Neubau des Ikea-Standortes in Haid (Oberösterreich) fließen, der im September 2004 fertig gestellt werden soll.

Verhandlungen in Wien West

Über die weiteren geplanten Standorte hüllt sich der Ikea-Chef noch in Schweigen. In Wien West sei zwar schon ein Standort gefunden, über den bereits die Verhandlungen mit den Behörden, das Geheimnis wo genau das Möbelhaus bis September 2006 entstehen soll, werde erst im Herbst gelüftet. Ein Jahr später soll dann auch im Ländle ein Ikea seine Pforten öffnen. Mit diesen 8 Standorten sollte die Umsatzgrenze von 700 bis 800 Mio. Euro erreicht werden, hofft Meier.

Der Schwerpunkt des kommenden Geschäftsjahres und des neuen Ikea Katalogs, der ab kommenden Montag mit einer Auflage von 130 Mio. Stück in 23 Sprachen ausgegeben wird, steht unter dem Motto "Wohnen mit Eltern".

Weiter auf Expansionskurs

Ikea wird den weltweiten Umsatz im fast abgelaufenen Geschäftsjahr 2002/03 (per Ende August) voraussichtlich um 6,4 Prozent auf 11,7 Mrd. Euro ausweiten. Auf vergleichbarer Fläche war der Umsatz laut Regionsmanager für Zentral-Osteuropa, Per Wendschlag, in etwa auf Vorjahresniveau. Ikea habe damit das wirtschaftlich turbulente Jahr "sehr gut überstanden". Bei seinen weiteren Ausbauplänen konzentriert sich Ikea auf neue Märkte wie Nordamerika und Asien, die derzeit nur 18 bzw. 3 Prozent zum Konzernumsatz beitragen. Große Pläne gibt es auch für Russland.

In Russland will Ikea in 5 bis 10 Jahren 15 bis 20 Möbelhäuser haben. Im Visier sind laut Wendschlag vor allem die großen Städte Moskau - wo derzeit der größte Ikea der Welt in Bau ist - und St. Petersburg. Große Pläne wälzt der schwedische Konzern auch für Japan: 2005 soll dort der erste Ikea eröffnen, 2006 der zweite. In Nordamerika plant das Möbelhaus in 10 Jahren 50 neue Häuser. (APA)

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Ikea

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    Urs Meier, Geschaeftsfuehrer von IKEA Oesterreich

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