"Verronacherisierung" der Hallen E und G

6. August 2003, 17:06
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ImPulsTanz und Museumsquartier: Der Erfolg gibt Intendant Regensburger Recht

Wien – Sein Publikum sei, meint Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle, hoch affin zu jenem des ImPulsTanz-Festivals. Und deshalb erhielt auch heuer wieder jeder ImPulsTanz-Besucher Gratis-Eintrittskarten. Diese Werbemaßnahme lag zumindest in der Vergangenheit nahe: Ein Gros der Vorstellungen fand direkt neben der Kunsthalle, in den Veranstaltungshallen E und G des Museumsquartiers, statt.

Nicht so 2003: Intendant Karl Regensburger mietete für sein erneut höchst erfolgreiches Festival (26.000 Besucher, 98 Prozent Auslastung), das noch bis 10. August läuft, unter anderem das Burgtheater, das Odeon und das Schauspielhaus an. Weil er sich die Hallen E und G nicht leisten könne. Was er schade findet, da er mit seinem Büro just ins MQ übersiedelt ist. Aber: "Ich streiche doch nicht zwei Produktionen, nur um die Hallen bespielen zu können!"

Für die Betriebsgesellschaft der Hallen, eine Tochter der Wiener Festwochen, war Regensburgers Entscheidung ein Schock. Schließlich rechnete Geschäftsführerin Ela Monaco ziemlich fix mit den Einnahmen. Sie beteuert, dass die Mietpreise seit der Eröffnung 2001 nicht angehoben wurden, eher im Gegenteil.

Regensburger hingegen und sein Partner Guido Reimitz (der das Festival nun verlassen wird) stellten fest, dass sich ihre Mietkosten seit 1997 verfünffacht haben. Denn früher konnte das Festival im Windschatten der Festwochen segeln: Diese adaptierten die Sofiensäle und überließen die Infrastruktur gegen geringes Entgelt. "Wir brauchen die Festwochen. Wir sind ja nur ein kleines Rädchen im Wiener Kulturbetrieb", sagt Regensburger. Die Stadt förderte die Festwochen im Vorjahr mit 10,37 Millionen Euro, ImPulsTanz hingegen nur mit 0,64 Millionen. Er tue sich daher sehr schwer, für die Hallen E und G die gleichen Preise zu bezahlen wie die Festwochen.

Zumal er andernorts gern gesehener Gast ist. Wie im Schauspielhaus. Geschäftsführerin Susanne Moser verlangt knapp die Hälfte des Betrages, der für die Halle G zu zahlen ist, macht aber dennoch, wie sie sagt, Gewinn – und freut sich, dass während der Schließzeit etwas los ist.

Ähnlich argumentiert Thomas Drodza, Geschäftsführer des Burgtheaters. Er verteidigt Regensburger, dem vorgeworfen wird, mit städtischen Mitteln eine Bundeseinrichtung querzufinanzieren: Manche Kompanie benötige eben eine Bühnentechnik, die es in der Halle E nicht gibt. Und andere seien nur zu einem Gastspiel zu bewegen, wenn sie im Burgtheater auftreten können.

Den Imagefaktor führt auch Regensburger ins Treffen. Er stößt sich am Namen "E+G", der keinen Klang hätte, wie an den Inhalten. Der Intendant sieht es zudem nicht als seine Aufgabe an, Werbung für die Hallen zu machen, wenn ihm nachgesagt wird, ein "populäres Programm" zu fahren, nur weil er es schaffe, Besucherscharen anzulocken – im Gegensatz zu Tanzquartier-Chefin Sigrid Gareis, die die Halle G von September bis Mai bespielt (und "zwangsverpflichtet" für jeden Tag Miete zu zahlen hat, auch wenn es keine Vorstellung gibt, worüber sie sich ziemlich ärgert).

Für die Halle E, wie die Halle G von der Stadt errichtet und eingerichtet, ließe sich zudem überhaupt kein Konzept erkennen: Statt der Viennale finden dort nun Autoschauen und Tourneemusicals (u.a. Abbamania) statt. Regensburger spricht daher von einer "Verronacherisierung": Ihm ist daran gelegen, eine Diskussion über den Sinn und die Aufgaben der Hallen zu entfachen. Weil er gerne wieder zurückkehren würde. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2003)

Von Thomas Trenkler

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ImPulsTanz.com

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