Vergiftete Brunnen

6. August 2003, 20:00
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Erschreckende australische Studie: Weltweit weitaus mehr Menschen durch Arsen gefährdet als angenommen

London - Arsen im Brunnenwasser gefährdet nach neuen Untersuchungen das Leben von weitaus mehr Menschen als angenommen: Betroffen ist demnach nicht nur das gesamte Ganges-Tal bis hinauf zum Himalaya mit über einer halben Milliarde Einwohnern, sondern weltweit 17 Staaten, darunter Teile von China, Vietnam, Argentinien und den USA. Das geht aus einer australischen Studie hervor, die Jack Ng von der Universität Queensland im Oktober in der Fachzeitschrift Chemoscope (Bd. 52, S. 1353) veröffentlichen wird.

Warnungen ausgeweitet

Wie das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtet, galt bislang vor allem Bangladesh durch das arsenhaltige Brunnenwasser als hoch gefährdet. Allein dort sind 50 Millionen Menschen betroffen. Den neuen Untersuchungen zufolge, ist das Arsenproblem jedoch auch in anderen Teilen des Ganges-Tals gravierend.

Anfang 2003 bereits schlugen Mediziner für Teile Nepals Alarm. Neuer Fokus ist auch der indische Bundesstaat Bihar flussaufwärts vom Ganges-Delta mit seinen 83 Millionen Einwohnern. Nach Häufungen von Leber- und Hautkrebs untersuchte der Umweltwissenschaftler Dipankar Chakraborti von der Universität in Kalkutta nun 3000 Brunnen in weiten Gebieten Bihars: 40 Prozent davon überschritten das WHO-Arsenlimit. Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen zeigen nach Angaben des Forschers Symptome einer Arsenvergiftung. In Vietnam überschreitet einer Schweizer Untersuchung zufolge das Grundwasser im Roten-Fluss-Delta die WHO-Arsenlimits um das bis zu 300-fache.

Der Weg der Vergiftung

Das Krebs erregende Arsen reichert sich über viele Jahre im Körper an, vor allem die Basalzellen der Haut, Nieren und Leber sind von Krebs betroffen. In den meisten der gefährdeten Gebiete gewinnen die Menschen erst seit 20 bis 30 Jahren ihr Trinkwasser aus Schachtbrunnen. Dazu waren sie von Hilfsorganisationen aufgefordert worden, um nicht länger verschmutztes Flusswasser zu trinken. Flüsse waschen Arsen aus dem Gebirgsgestein und transportieren es in die Flusstäler, wo das Gift sich in den Böden ablagert. (APA/dpa)

Vgl. Chemoscope (Bd. 52, S. 1353) und "New Scientist" (Nr. 2407, S.4)
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