EU-Kommission verliert die Geduld mit Microsoft

16. August 2003, 08:58
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Ende der Wettbewerbs- behinderungen ulitmativ gefordert - Brüssel droht mit Geldstrafe

Die EU-Kommission will dem US-Softwareriesen Microsoft eine Geldstrafe aufbrummen, falls der Konzern nicht etwas gegen seine marktbeherrschende Stellung unternimmt. Brüssel räumte dem Hersteller des "Windows"-Betriebssystems eine letzte Gelegenheit zu Stellungnahmen ein, bevor die Untersuchungen abgeschlossen werden, wie die Kommission am Mittwoch mitteilte. Zu diesem Zweck habe Brüssel Microsoft eine so genannte Mitteilung von Beschwerdepunkten zugesandt. Ein Sprecher von Wettbewerbskommissar Mario Monti sagte in Brüssel, dass eine solche Mitteilung stets die Androhung von Geldstrafen beinhaltet.

Wettbewerbsbehinderung

Die Kommission wirft Microsoft vor, seine beherrschende Stellung bei Personalcomputern auf einfache Server für PC-Netze in Unternehmen zu übertragen und durch die Verknüpfung seines Media-Player-Programms mit dem Windows-Betriebssystem den Wettbewerb zu behindern. Brüssel stütze sich auf die "bei einer Vielzahl von Verbrauchern, Lieferanten und Wettbewerbern gesammelten Beweismittel", die frühere Ergebnisse der Kommission "bestätigt und untermauert" hätten, hieß es weiter. In ihren Beschwerdepunkten schlage die Kommission jeweils "geeignete Abhilfen" vor, betonte Monti.

Die Praktiken von Microsoft

Die Kommission verweist auf eine vorangegangene "umfassende Marktuntersuchung". Dort habe die überwältigende Mehrheit der befragten Unternehmen angegeben, sie seien durch die Praktiken von Microsoft bei der Auswahl von Serverprodukten erheblich beeinflusst worden. Weil Microsoft keine Schnittstelleninformationen weitergebe, könnten die Server der Wettbewerber nicht zufriedenstellend mit Windows-betriebenen PC- und Serversystemen kommunizieren. Daher sähen sich viele Unternehmen gezwungen, immer wieder auf Microsoft-Produkte zurückzugreifen. Als Abhilfe schlägt Brüssel dem US-Konzern vor, die erforderlichen Schnittstellenangaben künftig preiszugeben.

Kritikpunkt Media Player

Der zweite Kritikpunkt bezieht sich auf die Verknüpfung vom Windows Media Player, einem Programm zur Wiedergabe von Bild- und Tondateien, mit dem Betriebssystem von Windows. Die "Allgegenwart" des Windows Media Player in Personalcomputern zwinge zum Beispiel Softwarefirmen und Anbieter von Internet-Inhalten, ihre Produktentwicklung auf das Microsoft-Programm hin auszurichten, bemängelte die Kommission. Um hier Abhilfe zu schaffen, müsse Microsoft künftig entweder eine Windows-Version ohne das eigene Wiedergabe-Programm anbieten - oder aber auch die Media Player der Konkurrenz mit seinem Betriebssystem verknüpfen.

Beschwerden

Die EU-Wettbewerbshüter prüfen schon seit Februar 2000 Vorwürfe illegaler Geschäftspraktiken von Microsoft. Die Beschwerde war von Sun Microsystems angestoßen worden. Im Februar dieses Jahres hatte die Firma dann gemeinsam mit anderen Unternehmen wie dem Softwarekonzern Oracle, dem Handybauer Nokia und dem Medienkonzern AOL Time Warner eine weitere Beschwerde gegen Microsoft in Brüssel wegen des Betriebssystems Windows XP eingereicht.

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    Microsoft-Gründer Bill Gates.

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