Rechtschreibreform setzt sich nur langsam durch

17. August 2003, 23:37
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50 Prozent bleiben bei den alten Schreibweisen

Linz - Die Reform der deutschen Rechtschreibung ist fünf Jahre alt, aber nach wie vor hält jeder zweite Österreicher dem "ß" und Co die Treue. Am ehesten nahmen die Jüngeren und die höheren Bildungsschichten die Neuerungen an. Dies geht aus einer jüngsten Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts Spectra hervor: "Offenbar gelingt es der Reform nur schwer, sich durchzusetzen."

Befragt wurde im Juni des heurigen Jahres ein repräsentativen Querschnitt von 1000 Österreicherinnen und Österreichern über 15 Jahren.

29 Prozent gaben an, sie würden die neuen Rechtschreibregeln anwenden. Im Jahr 1999 war dieser Anteil noch bei 14 Prozent gelegen. 50 Prozent der Befragten sagten allerdings, sie schreiben nach wie vor in der alten Orthografie. Bei der letzten Befragung vor vier Jahren hatten sich 74 Prozent zur alten Rechtschreibung bekannt. Der Rest der jetzt Befragten machte keine Angaben zu seinen Rechtschreibgewohnheiten.

Langsame Umstellung Keine wesentlichen Unterschiede, was die Anwendung der alten oder der neuen Rechtschreibung anlangt, gibt es zwischen Männern und Frauen. Hingegen sagten die unter 30-Jährigen zu 46 Prozent, dass sie die neuen Regeln anwenden. Bei den über 50-Jährigen liegt dieser Anteil hingegen bei nur 15 Prozent.

Von den Befragten mit Volks- und Hauptschulabschluss schreiben 21 Prozent "neu", bei den Absolventen höherer Schulen steigt der Anteil der Reformanwender auf 32 Prozent. Akademiker haben den Umstieg auf die neue Orthografie bereits zu 53 Prozent vollzogen.

Gelassene Haltung

Noch ein interessantes Detail brachte die Befragung zutage: 1999 hatten 28 Prozent gesagt, die Rechtschreibreform sei ihnen "egal", jetzt ist dieser Anteil auf 36 Prozent gestiegen. Spectra dazu: "Die Rechtschreibreform ist kein Aufreger mehr. Alles in allem besteht kein Zweifel an einer nach wie vor skeptischen, aber letztlich sehr gelassenen Haltung der Österreicher gegenüber der Reform."

Dennoch: "Nur 15 Prozent sagen, die neue Schreibweise sei in ihren Augen o.k." 1999 hatten unwesentlich weniger Menschen dezidiert Zustimmung zur Rechtschreibreform geäußert. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2003)

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    grafik: red
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