Pressestimmen : Britische Zeitungen zur Kelly-Affäre

7. August 2003, 09:06
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"Daily Telegraph" vergleicht Blair mit gescheitertem Major - "Financial Times": Bunker-Mentalität in der Downing Street

London - Vernichtende Kritik üben britische Tageszeitungen am heutigen Mittwoch an der Londoner Regierung, nachdem ein Sprecher von Premierminister Tony Blair eingestanden hat, den Waffenexperten David Kelly als Wichtigtuer und Fantasten bezeichnet zu haben. Der "Daily Telegraph" vergleicht Blair bereits mit dem glücklosen ehemaligen konservativen Premierminister John Major. Die "Financial Times" sieht eine "Bunkermentalität" in der Downing Street.

"Daily Telegraph":

"Der Streit um die Enthüllung, dass einer der Sprecher von Tony Blair den Waffenexperten David Kelly zu diskreditieren versuchte, zeigt Parallelen zum Verschwinden des Respekts für die Regierung von John Major in den 90er Jahren. Und er liefert die Bestätigung dafür, dass die Regierung Blair, vor der große Teile der Medien einst ehrfürchtig erstarrten, nicht länger als unbesiegbar gilt.

Die Ereignisse dieser Woche haben gezeigt, dass die Medien die Macht der Regierung nicht länger fürchten. Blair mag Tausende von Kilometern entfernt im Karbik-Urlaub sein, aber er kann kaum der Verantwortung dafür entfliehen, dass er eine PR-Maschine in Gang gesetzt hat, die jetzt außer Kontrolle scheint. Wenn der Tod von Dr. Kelly für irgend etwas gut war, dann dafür, dass jetzt die düstere Welt der Blairschen Medienmaschinerie beleuchtet wird."

"Financial Times":

"Aus dieser neuesten Wendung der Kelly-Tragödie sollten vier Konsequenzen gezogen werden. Erstens: (Regierungssprecher) Tom Kelly sollte suspendiert werden. Zweitens: Die Downing Street-Maschine muss lernen, ihren Mund zu halten, bis Lord Hutton seinen Abschlussbericht vorlegt. Drittens: Blair sollte sich dazu entschließen, die Bunker-Mentalität in der Downing Street aufzugeben. Obwohl dieser Bunker mit dem Ziel operiert, dem Premierminister zu helfen, schaden seine Fehler Blairs Glaubwürdigkeit. Viertens - und das ist das schwierigste: Der Premierminister muss mit der PR-Kultur aufräumen, die seine Regierung umgibt."(APA/dpa)

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