Deutschland: Job-Desaster dauert an

8. August 2003, 16:02
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Zahl der Arbeitslosen steigt auf 4,35 Millionen - Juli-Wert nur knapp unter Rekordhoch des Vormonats - Geringe Chancen auf Erholung

Nürnberg - Die Zahl der Arbeitssuchenden in Deutschland bleibt auf trauriger Rekordhöhe: Im Juli gab es 4,352 Millionen Arbeitslose, das ist der höchste Juli-Wert seit sechs Jahren. Der höchste Juli-Wert seit dem Zweiten Weltkrieg von 4,354 Millionen im Juli 1997 wurde damit nur knapp unterschritten, teilte das Bundesamt für Arbeit (BA) heute, Mittwoch, in Nürnberg mit. Besonders stark stieg die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen, was auch mit dem Ferienbeginn zusammenhänge, erklärte BA-Chef Florian Gerster heute vor Journalisten. Er gibt keine Entwarnung für die zweite Jahreshälfte, die "keinen großen Durchbruch" bringen werde.

Fünf Millionen unwahrscheinlich

Gegenüber dem Juli des Vorjahres stieg die Arbeitslosenzahl um 305.000. Die Arbeitslosenquote lag bei 10,4 Prozent, nach 10,2 Prozent vor einem Monat und 9,7 Prozent vor einem Jahr. Die Bundesanstalt rechnet nach seinen Angaben mit einem Jahresdurchschnitt von bis zu 4,5 Millionen Arbeitslosen. Ein Anstieg auf fünf Millionen im Winter ist laut Gerster nicht zu erwarten. Der BA-Chef rechnet "vorsichtig" mit einem deutschen Wirtschaftswachstum von 1,3 bis 1,8 Prozent im kommenden Jahr.

Auf dem Lehrstellenmarkt bleibt die Lage weiterhin schlecht. Derzeit gibt es laut Bundesanstalt eine rechnerische Lücke zwischen angebotenen Stellen und Suchenden von 147.700. Bis Ende September sei mit 50.000 bis 60.000 weniger gemeldeten Lehrstellen zu rechnen als im vergangenen Jahr.

Ost-Arbeitslosenquote: 18,3 Prozent

Entgegen den Erwartungen von Experten stieg auch die um Saisoneinflüsse bereinigte Arbeitslosenzahl. Den Angaben zufolge wurde saisonbereinigt ein Zuwachs um 7.000 auf 4,408 Millionen Erwerbslose im Vergleich zum Juni verzeichnet. Experten hatten im Schnitt einen Rückgang um 5.000 erwartet.

In Westdeutschland wuchs die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Juni um 71.400 auf 2,73 Millionen an. Gegenüber dem Vorjahr stieg sie um 252.500. Die Arbeitslosenquote lag im Westen bei 8,3 Prozent, nach 8,1 Prozent im vergangenen Monat und 7,6 Prozent vor einem Jahr. In den neuen Ländern erhöhte sich die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Juni um 23.100 auf 1,62 Millionen. Gegenüber dem Vorjahr legte sie um 52.500 zu. Die Arbeitslosenquote im Osten lag bei 18,5 Prozent. Im vergangenen Monat hatte sie noch 18,3 Prozent betragen, vor einem Jahr 17,7 Prozent. (APA/Reuters)

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