Ein ungeschliffener Diamant

1. Juli 2005, 13:50
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Montenegro gilt als touristischer Geheimtipp an der Adria. Landschaftliche Reize machen die Schwächen in der Infrastruktur wett

Die Bewohner Montenegros bezeichnen ihre Heimat gerne als das Juwel der Adria. Unter Urlaubern gilt der kleine Balkanstaat als Geheimtipp - ein Ferienziel voller landschaftlicher Reize, das zudem preislich günstiger als das benachbarte Kroatien ist. Doch wenn es sich bei Montenegro tatsächlich um einen Diamanten handeln sollte, dann allenfalls um einen ungeschliffenen, denn vieles liegt in dem Land noch im Argen.

Besucher sind vor allem vom unglaublichen Farbenspiel verzaubert, das ihnen in Montenegro begegnet: Das Aquamarin des Meeres, das Grün der Pinienwälder, das Blau des Himmels und das Weiß der Kieselstrände. Die Schönheit der Natur mag dabei helfen, über die Schattenseiten hinwegzusehen, die dem Urlauber auch begegnen: alte und heruntergekommene Hotels und unvollendete Privathäuser in Zementgrau, die mitten in die herrliche Gegend gebaut werden und die Landschaft verschandeln.

Trotz dieser negativen Erscheinungen wächst inzwischen der Fremdenverkehr wieder, der in den 90er Jahren wegen der Kriege auf dem Balkan fast völlig zum Erliegen gekommen war. Zwar kommen noch immer die meisten Touristen aus dem benachbarten Serbien, mit dem Montenegro einen Staatenbund bildet. Doch auch immer mehr internationale Urlauber finden ihren Weg dorthin.

Eine der Hauptattraktionen des Landes ist die kleine Halbinsel Sveti Stefan mit ihren von der Sonne gebleichten Kalksteinhäusern. Das einstige Fischerdörfchen wurde in den 60er Jahren zu einem luxuriösen Hotelkomplex ausgebaut. Die Steinmauern aus dem 15. Jahrhundert, die engen Straßen und die 1979 bei einem Erdbeben zerstörte Kirche wurden liebevoll saniert und wieder aufgebaut. Heute strahlen die roten Dachziegel der Häuser im Sonnenlicht um die Wette mit Oleander, Bougainvillea und Palmen.

In der Nähe liegt auch Budva, der beliebteste Ferienort Montenegros. In der engen Altstadt locken unzählige Geschäfte und Restaurants. Mit seiner intakten Stadtmauer, den engen Gassen und seiner Uferpromenade wirkt Budva wie eine Miniaturausgabe des berühmteren Dubrovnik in Kroatien. Nördlich der Altstadt von Budva führt der Weg zum Felsstrand von Mogren, dem schönsten in der Gegend. Im Süden der Altstadt bestimmen unzählige Kleinhändler das Bild, die von Strandklamotten bis zu Souvenirs alles Mögliche feilbieten. In der Nacht wird dort in Open-Air-Discos gefeiert.

"Immer mehr Ausländer entdecken jetzt die Schönheiten Montenegros", freut sich Nikola Lazarevic, der Eigentümer des Restaurants "Grispolis" in dem malerischen Örtchen Bigovo, während er gegrillten Fisch zubereitet. Zu dem mit Knoblauch und Petersilie gewürzten Fisch wird der berühmte Vranac-Rotwein serviert. Dieses Jahr verspreche ein gutes Jahr für den Fremdenverkehr zu werden, erklärt Lazarevic.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die kleine Halbinsel Sveti Stefan

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