Kein Trinkwasser für Kunstschnee

8. August 2003, 10:00
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Wassermangel, wie etwa im vergangenen Winter in manchen Regionen Kärntens und Südtirols, wäre dann Geschichte

Innsbruck/Umhausen - Am Rande von Tirols größtem Wasserfall, dem Stuibenfall im Ötztal, haben am Dienstag Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Landeshauptmann Herwig van Staa ihre Unterschrift unter die VP-Initiative einer "rot-weiß-roten Wassercharta" gesetzt. Die in zehn knappen Punkten formulierte politische Absichtserklärung war von Schüssel und Landwirtschaftsminister Josef Pröll erstmals vor einem Monat in Reichenau an der Rax unterzeichnet worden, weitere sommerliche Wasserevents sollen folgen.

Alpenschutzkommission

Konkreteres hat die internationale Alpenschutzkommission Cipra mit ihrem Entwurf zu einem Protokoll "Wasser" im Rahmen der Alpenkonvention im Sinn. Acht derartige Protokolle, u. a. zu den Themen Tourismus, Bergwald und Verkehr, sind bereits ausverhandelt und ratifiziert. "Es sind somit völkerrechtlich verbindliche Verträge, die auch einklagbar sind", betont der österreichische Cipra-Vertreter Peter Haßlacher.

Ein zentraler Punkt des Cipra-Vorschlages ist die internationale Zusammenarbeit, etwa mit einem integrierten Flussmanagement bei grenzüberschreitenden Flüssen wie Rhein und Inn. Sinnvoller Hochwasserschutz und vertretbare Nutzung seien nur durch gemeinsame Festlegungen und Aufteilung der Kosten auf alle betroffenen Länder möglich, meint Haßlacher.

Gletscherschutz

Vorgeschlagen wird auch ein Verbot "weiterer Erschließungen von Gletschern mit Infrastrukturen zu touristischen Zwecken". Setzt sich diese unmissverständliche Formulierung durch, wäre die Debatte um den Ausbau des Pitztaler Gletschers vom Tisch - allerdings befürchtet Haßlacher, dass diese Regelung erst in Kraft treten wird, wenn die Genehmigungsverfahren längst über die Bühne sind.

Beschneiung von Skipisten

Dauerhaft will das Protokoll die künstliche Beschneiung von Skipisten eingrenzen. Dieses touristische Interesse soll der Sicherung der Trinkwasserversorgung untergeordnet werden. Wassermangel, wie etwa im vergangenen Winter in manchen Regionen Kärntens und Südtirols, wäre dann Geschichte.

Minister Pröll hat der Cipra Unterstützung bei den Zielen des Wasserprotokolls zugesagt und eine Initiative Österreichs beim nächsten Ständigen Ausschuss der Alpenkonvention im September in Reichenhall angekündigt. Günstigenfalls könnte das Wasserprotokoll im November 2004 beschlussreif sein, erklärt Haßlacher.

Keine Regelung kann das derzeitige massive Abtauen der alpinen Gletscher verhindern. 20 Grad im Hochgebirge und Plusgrade auch während der Nacht waren zuletzt keine Seltenheit. Tirols einst für den Sommerskilauf erschlossene Gletschergebiete haben den Betrieb längst eingestellt (ausgenommen der Hintertuxer Gletscher). (Hannes Schlosser, DER STANDARD Printausgabe 6.8.2003)

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