Autor wehrt sich gegen "Unverfrorenheit und Dummheit"

11. August 2003, 19:26
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"Nach dem Terror": Honderich kritisiert Druck auf Suhrkamp Verlag

Frankfurt/Main - Der Philosoph Ted Honderich, dessen Buch "Nach dem Terror" der Suhrkamp Verlag wegen Antisemitismus-Vorwürfen nicht mehr verlegt, hat in scharfer Form auf seine Kritiker reagiert. In einem Offenen Brief an die Universität Frankfurt bezeichnet er den Antisemitismus-Vorwurf des Frankfurter Professors Micha Brumlik als "Unverfrorenheit und Dummheit". Niemand könne solche Dinge behaupten, sofern er nicht bereits dem "Neuen Zionismus" angehöre, schreibt der kanadisch-britische Wissenschaftler, dessen Brief auf seiner Internet-Seite und in Auszügen am Freitag auch von der "Frankfurter Rundschau" veröffentlicht wurde.

Der Erziehungswissenschaftler Brumlik, zugleich Direktor des Fritz-Bauer-Instituts, das sich in Frankfurt mit der Geschichte des Holocaust beschäftigt, hatte diese Woche mit seiner Kritik an dem im Juli bei Suhrkamp erschienenen Buch eine öffentliche Diskussion entfacht. Als Konsequenz distanzierte sich der Frankfurter Verlag am Mittwoch von seinem Autor und erklärte, man werde Honderichs bereits vergriffenes Buch nicht mehr auflegen und die Rechte zurückgeben.

In seinem Buch verteidige er das moralische Recht der Palästinenser zum Widerstand gegen den Staat Israel - "gegen einen Staat Israel, der sein moralisches Recht verteidigt, Palästinenser zu töten", betonte Honderich. Der Vorwurf des Antisemitismus übersteige sein Fassungsvermögen. So sei er mit einer jüdischen Frau verheiratet gewesen und habe sich wegen des Holocaust geweigert, in Deutschland Vorträge zu halten. Es stelle sich die Frage, wie bei der Veröffentlichung des Buchs die Verlage der University of Edinburgh und der Columbia University in New York sowie Suhrkamp den angeblichen Antisemitismus hätten übersehen können.

Honderich nannte es "unwürdig", auf Suhrkamp als "Verlagshaus von exzellentem internationalen Ruf" Druck auszuüben. Da Brumliks "katastrophale(s) Vergehen an Wahrheit und Anstand" mit akademischen Grundsätzen unvereinbar sei, forderte der Autor die Universität Frankfurt auf, Brumlik von seinen Positionen zu entbinden.

(APA)

S E R V I C E

Offener Brief auf

Ted Honderichs Homepage

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