Unterstützen, schützen, absiedeln

8. August 2003, 10:03
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Hochwasserbilanz ein Jahr danach: Bund zahlte 66,2 Millionen Euro

"Nicht alles ist beherrschbar. In diesem Sinn hat das Hochwasser die Bevölkerung wachgerüttelt", meinte Herbert Winkler, Bürgermeister der Salzburger Gemeinde Thalgau, bei einer Pressekonferenz anlässlich des Jahrestages der Hochwasserkatastrophe im August 2002. In Thalgau sind vor einem Jahr drei Bäche über die Ufer getreten und haben einen Schaden von drei Millionen Euro verursacht.

Seither haben Bund und Land Salzburg ein "integrales Hochwasserschutzkonzept" für Thalgau entwickelt. Das rund 13 Millionen Euro teure Projekt umfasst Auffangbecken, Schutzbauten und Flutmulden entlang der drei Gemeindebäche.

In ganz Österreich hatten die Überschwemmungen im Sommer 2002 eine Welle der Solidarität ausgelöst: Auf den Einsatz unzähliger freiwilliger Helfer folgte eine Spendenaktion der Caritas und des ORF, die mehr als 80 Millionen Euro einbrachte. Die damit er möglichte Hilfe dauert an. Etwa, um schwer Geschädigte psychisch zu unterstützen.

Besonders stark von der Flut betroffen war – und ist – Niederösterreich: Der Gesamtschaden beläuft sich hier auf rund 1,2 Milliarden Euro. Allein an Privathaushalte, Betriebe und Bauern wurden bis Anfang dieser Woche vom Land 178,1 Millionen Euro Hilfsgelder ausbezahlt, rechnet Andreas Gellner von der Abteilung für Schadensabwicklung zusammen.

Eigenverantwortung

In Oberösterreich wurden Sachwerte von mindestens einer Milliarde Euro vernichtet. Das Land steuerte für die Beseitigung der Hochwasserschäden 67 Millionen Euro bei. Es wurden Arbeitsgruppen zur Analyse der Ereignisse eingesetzt und ein Paket von kurz- und langfristigen Maßnahmen ausgearbeitet. Gerhard Mannsberger, Sektionschef im Landwirtschaftsministerium, betont, es müsse´der Bevölkerung aber auch nahe gebracht werden, "dass es keinen 100-prozentigen Schutz vor einem Hochwasser gibt" – es sei also Eigenverantwortung angesagt.

Der Bund stellte für Sofort- und Wiederherstellungsmaßnahmen 66,2 Millionen zur Verfügung. Aus dem Solidaritätsfonds der EU kamen 135 Millionen Euro. Zusätzlich seien noch 15 bis 20 Millionen Euro jährlich notwendig, erläuterte Mannsberger.

Viele Siedlungen jedoch liegen weiterhin in hochwassergefährdeten Gebieten. Etwa die Wohnhäuser im niederösterreichischen Machland Süd an der Donau. Dort werden jetzt 54 Familien zu Aussiedlern, verlassen für immer ihre Wohnhäuser. Die Kosten hierfür tragen zu 20 Prozent die Betroffenen, den größeren Rest teilen sich Bund und Land: Das Land steuert 5,9 Millionen Euro bei, wie der zuständige Landesrat Wolfgang Sobotka am Dienstag erläuterte. (bri, eba/DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2003)

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