Geballte Ladung des Hypersensiblen

5. August 2003, 19:23
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Bariton Thomas Hampson präsentiert Hugo Wolf

Salzburg - Eines der wichtigsten, aber auch langwierigsten Abende der letzten Festspieljahre gilt es zu gedenken! Dem Bariton Thomas Hampson ist seine deklarierte Vorliebe für das Schaffen Hugo Wolfs nicht nur ein vokales Lippenbekenntnis, nein: Seit Jahren setzt er sich für dieses großartige, nicht eben mehrheitsfähige Vermächtnis ein: in seiner Eigenschaft als Liedsänger, in seinem Bemühen als Text- und Musikpromotor, mit all den Möglichkeiten der Internetkommunikation. Selbstlosigkeit ist ihm nicht abzusprechen.

Und jeder weiß es: Man muss erst einmal die Autorität besitzen, um in Salzburg einen Hugo-Wolf-Marathon im mehr als abendfüllenden Stil ins Leben zu rufen und dann auch noch in die Tat umzusetzen! Es war dies im Kleinen Festspielhaus eine faszinierende Reise durch die Aktualitäten und Möglichkeiten, durch die Vorder- und Hintersinnigkeiten eines hypersensiblen, schalkhaften, provokanten, wenn man will: immer während zeitgenössischen Liedverfügens auf der Basis unvergänglicher Texte - eröffnet mit frühesten Talentbeweisen und durchsetzt mit Akzenten aus dem Spanischen Liederbuch.

Getragen im wahrsten Sinne des Wortes wurde diese Rundreise durch diesen Kosmos von herausragenden Liedprotagonisten. Neben - wirklich neben! - Thomas Hampson waren es Barbara Bonney, Angelika Kirchschlager, Michael Schade und der Bassist Georg Zeppenfeld, am Klavier gleichsam betont, umsorgt, im rechten Moment auch gefordert von Wolfram Rieger, dessen Liedverständnis und pianistische Kondition wohl auch ein Programm bis zum Morgengrauen erlaubt hätten.

Viele glückliche, vom Zauber und von der Geistigkeit des Gehörten erfüllte Gesichter dann im weichenden Publikum. Man hatte etwas erlebt in der Rubrik des Außergewöhnlichen - mehr wird man von echten Festspielen nicht fordern, geschweige denn erwarten können. (Peter Cossé/DER STANDARD; Printausgabe, 06.08.2003)

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