Tempo 20 auf der Tauernautobahn

14. August 2003, 19:17
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Die Autofahrerklubs stehen Tempo 160 sehr vorsichtig gegenüber. Nur bei perfekten Bedingungen können sich ÖAMTC und ARBÖ diese Geschwindigkeit vorstellen

Wien – "Der Lenker eines Fahrzeuges hat die Fahrgeschwindigkeit den gegebenen Umständen, insbesondere den Straßen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen sowie den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen." So lautet der Paragraf 20 der Straßenverkehrsordnung. Würden sich alle Lenker an diese Vorschrift halten, wäre zumindest aus Gründen der Verkehrssicherheit kein Tempolimit auf den Autobahnen mehr nötig. Die Realität sieht jedoch anders aus.

"Wäre die Verkehrsdisziplin so, dass sich die Leute an diesen Grundsatz halten würden, wäre es tatsächlich kein Problem", meint Roman Michalek vom Autofahrerklub ÖAMTC. Da die Welt aber so ist, wie sie ist, plädiert man bei der Interessenvertretung für einen vorsichtigen Umgang mit Tempo 160. "Wenn es einen geeigneten Abschnitt gibt, wo es die Verkehrslage und Witterung zulässt und keine Anrainer belästigt werden, kann man darüber nachdenken", meint Michalek.

Auch beim ARBÖ sieht man die Sache differenziert. "Verschiedene Geschwindigkeiten auf Autobahnen tragen zum Unfallrisiko bei. Manche Lkw dürfen in der Nacht nur mit 60 Stundenkilometern fahren, wenn dann ein Pkw mit 160 daherkommt, kann es gefährlich werden", meint Pressesprecherin Lydia Ninz.

Und verweist auf ein anderes Faktum, dass in der gegenwärtigen Diskussion eher untergegangen ist. "In Italien können die Autobahnbetreiber zwar in bestimmten, gut ausgebauten Streckenabschnitten Tempo 150 bei guter Witterung erlauben. Es macht aber fast keiner." Ein Anruf bei den Betreibern der Brennerautobahn bestätigt dies. Obwohl es dort teilweise möglich wäre, wird auch künftig 130 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit gelten.

Bei der Frage der möglicherweise steigenden Schadstoffbelastung durch die höheren Geschwindigkeiten wünscht sich Ninz genauere wissenschaftliche Untersuchungen. Neben dem Lärm könnte aber auch der Umweltfaktor gegen die Anhebung des Tempolimits sprechen, glaubt die Pressesprecherin.

Auf die Umweltbelastung verwies am Dienstag auch Global 2000. Die so genannte Informationsstufe für die Ozonbelastung gelte in Ostösterreich schon sei drei Tagen, im Gegensatz zu Frankreich, wo aus diesem Grund Tempolimits verfügt wurden, seien die heimischen Politiker aber untätig. Stattdessen würde über Tempo 160 nachgedacht.

Unabhängig von dieser Diskussion wird an diesem Wochenende auf den heimischen Transitautobahnen wohl wieder Tempo 20 herrschen. Und zwar in alle Richtungen, prophezeien die Experten der Autofahrerklubs.

Wieder Stauschauen

Die besten Möglichkeiten für das Stauschauen bietet sich am Freitag und Samstag wie immer auf der Tauernautobahn (A 10). Am Tauern- und Katschbergtunnel werden Anfahrtszeiten von bis zu fünf Stunden erwartet. Der Grund: Die zweite Reisewelle aus Nordrhein-Westfalen, Werksferien bei Ford und Nachzügler bringen Autos aus dem Norden. In die Gegenrichtung wird es sich ebenfalls spießen, in Norddeutschland und Dänemark enden die Ferien ebenso wie beim VW-Werk in Wolfsburg. Erstmals wird heuer auch beim Katschbergtunnel Richtung Norden Blockabfertigung eingesetzt.

Mühsam dürfte es auch bei der Ein- und Ausreise nach Ungarn werden. Bis zu acht Stunden dauerte am vergangenen Wochenende die Anfahrt zum Grenzübergang Nickelsdorf. Damals lief zwar eine Fahndung, die zu Verzögerungen führte, trotzdem rechnet ÖAMTC-Sprecher Michalek weiter mit Wartezeiten. "Bei der Einreise nach Österreich dürfte es in den kommenden Wochen noch ärger werden", vermutet er. (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2003)

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