Außenseiters Unerschütterlichkeit

6. August 2003, 20:32
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Im Match gegen die Austria setzt Mattersburg auf eine altbewährte, schon Franz Liszt zum Musizieren gebracht habende Taktik: tántoríthatatlanság

Mattersburg/Wien - Müsste Zoltán Fülöp, der innerhalb von nur drei Spielen zu einer Art Publikumsliebling des SV Mattersburg gestürmt ist, weil seine Büffelhaftigkeit den Rhythmus zu der betörenden Melodie des Papierenen Thomas Wagner schlägt, müsste Zoltán Fülöp also die Frage nach der Mannschaftsstimmung vor dem Match gegen den haushohen und unbestrittenen Meisterfavoriten Austria (Mittwoch, 19.30 Uhr, Liveübertragung auf Premiere) beschreiben, er würde zu folgendem, das deutsche "Unerschütterlichkeit" nur unzulänglich wiedergebende Wort greifen: tántoríthatatlanság.

Werner Gregoritsch, der Trainer des No-na-Außenseiters im Horrstadion, sagt es so: "Das ist ein Match, bei dem wir nur gewinnen können. Verlieren wir 2:0, 3:0, sagt jeder: Das ist ganz normal."

Aber Gregoritsch will natürlich nicht verlieren, weshalb er den Seinen ein paar schöne Videosequenzen aus dem letzten Heimspiel vorführt. Beim 0:0 gegen Kärnten nämlich hätten die Mattersburger eine sehr lobenswerte taktische Disziplin gezeigt, verbunden mit einer bemerkenswert anständigen konditionellen Verfasstheit, immerhin war es das dritte Match in einer Woche, aber "wir haben gut gearbeitet". Angst davor, dass der notwendige Kräfte raubende Stil am Ende der tänzelnden Austria zugute kommen könnte, hat er deshalb nicht.

In die Gassen schicken

Ja, im Gegenteil: "Spieler wie Janocko, Wagner, Vastic tendieren eher nicht dazu, nach hinten zu arbeiten." Daraus könnten sich, bei entsprechend eng gemachten Räumen, allerlei Gassen ergeben, in die Didi Kühbauer die Herren Wagner, Fülöp, Mörz dann zu schicken sicherlich die Absicht haben wird. Voraussetzung dafür: "Wir dürfen die Austria nicht ins Spielen kommen lassen." Engstens am Mann, heißt also die Devise derer aus Nagymarton. Oder anders: Elf G'wandläuse werden im Horrstadion auflaufen, deren tántoríthatatlanság, so die Hoffnung, die Austria ähnlich entnerven könnte wie einst den Franz Liszt, als dieser beim Ungarischlernen auf ebendieses Wort gestoßen war, worauf er sich geschworen hatte, sein Leben der Musik und nicht dem Spracherwerb zu widmen.

Das linguistische Schicksal des Franz Liszt versucht Austria-Trainer Joachim Löw unter allen Umständen hintanzuhalten. Deshalb "müssen wir ein frühes Tor machen, zeigen, dass wir gewinnen wollen". Ob der so außergewöhnliche Umstand - volles Horr-Haus - dabei helfen kann, wird die Frage sein. Löws Blumen ("Mattersburg ist eine Bereicherung. Sie haben enthusiastische Fans, ich rechne mit einer guten Stimmung") sind im Burgenland jedenfalls angekommen. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD PRINTAUSGABE 6.8. 2003)

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