Höchste Eisenbahn - Von Luise Ungerboeck

11. August 2003, 19:37
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Es wäre an der Zeit, dass sich Gorbach und Kukacka auf eine gemeinsame Linie einigen

Investoren, die im Frühjahr die von den ÖBB begebene Unternehmensanleihe gezeichnet haben, werden jetzt wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Denn noch im März hatte Bahn-Chef Rüdiger vorm Walde schöne neue Zuggarnituren um 200 Millionen Euro und eine nette Rendite von rund vier Prozent versprochen.

Ein paar Monate und einen Streit um die Bahnreform später teilt nun der ÖBB-Eigentümer in Person von Verkehrsstaats- sekretär Helmut Kukacka lapidar mit, dass die Bahn leider Pleite gehen wird, wenn sie ihre 12.000 überzähligen Eisenbahner nicht schleunigst in die Frührente, in eine Personalgesellschaft oder sonst wohin schickt. Anstatt die Aussage seines schwarzen Aufpassers als Nonsens zu qualifizieren, legt Verkehrsminister Hubert Gorbach noch nach. Man lasse die Bahn schon nicht in Konkurs gehen, sagt er zwar, aber Vorstand und Mitarbeitern werde es an den Kragen gehen, wenn sie nicht folgsam sind.

Natürlich wird die hochdefizitäre Eisenbahn genauso wenig in Konkurs gehen wie seinerzeit die Verstaatlichte. Ebenso wenig kann in der Bahn aber alles bleiben wie bisher. Noch leisten zu viele Eisenbahner zu wenig, die jährlichen Staatszuschüsse von geschätzten 4,2 Mrd. Euro müssen runter, sonst explodiert das Budget. Um diesem Ziel näher zu kommen, wäre es höchst an der Zeit, dass sich Gorbach und Kukacka auf eine gemeinsame Linie einigen. In Pleitegefahr wären die ÖBB übrigens eher dann, wenn sie die durch den Bahnausbau angehäuften vier Milliarden an Staatsschulden umgehängt bekommen, in drei bis vier Gesellschaften geteilt werden und somit noch weniger Synergien nutzen könnten, als sie es heute tun. Würden für diese Probleme endlich Lösungsvorschläge auf den Tisch gelegt, hätte auch die Gewerkschaft keine Chance gegen die Bahnreform. (Der Standard, Printausgabe, 06.08.2003)

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