Europa fordert Japan bei Mikroakkus

13. August 2003, 11:49
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Die elektronischen Geräte - Handys, Palmtops & Co - werden laufend kleiner und leistungsfähiger - Ein Engpass dabei ist die Energieversorgung.

Berlin - Mobilität ist ein Megatrend: Deswegen werden bis 2006 fast zwei Drittel der verkauften elektronischen Geräte tragbar sein, glauben die Forscher des Fraunhofer-Institutes für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) mit Sitz in der deutschen Hauptstadt. Ein Schlüssel für die Alltagstauglichkeit der immer kleineren Geräte sind leistungsfähige Batterien in der passenden Dimension, also winzig klein.

Das IZM will nun im Rahmen eines Workshops Mitte September in Berlin Forschungsergebnisse vorstellen - unter anderem eine wieder aufladbare Lithium-PolymerBatterie. "Wir wollen uns der totalen Abhängigkeit von japanischen Firmen in diesem Sektor entziehen", sagt Projektleiter Robert Hahn vom IZM. Nur rund fünf Prozent der Lithium-Ionen-Akkus werden heute außerhalb Japans produziert. Im konkreten Projekt arbeitet das Institut mit der Varta Microbattery GmbH zusammen. Hahn zum STANDARD: "Die Europäer sollten zunächst Lithium-Ionen-Batterien für Nischenprodukte und Spezialanwendungen anbieten. Denn wenn man in Japan bestellt, muss man derzeit riesige Mengen abnehmen." Bei Spezialanwendern - etwa Medizintechnik oder Überwachung - spielten teilweise auch höhere Kosten der Akkus eine kleinere Rolle. Aber die Batterienhersteller arbeiteten auch am Hinauffahren der Kapazitäten in Europa.

Eine anderer Bereich, aus dem das IZW Anwenderfirmen Entwicklungen vorstellen wird, sind ultradünne Batterien. Dabei werden im Siebdruckverfahren elektronische Strukturen auf Folien aufgebracht. Hahn zählt als mögliche Anwendungen auf: Bankkarten mit Displays, um den Kontostand anzuzeigen, Zugangskarten in der Industrie mit eingebauten Sensoren, die auf Gefahrenstoffe in der Luft hinweisen könnten, medizinische Pflaster, die kontrolliert Arzneien fließen lassen könnten oder auch die guten, alten, tönenden Telegrammkarten, die derzeit noch mit relativ dicken Knopfbatterien bestückt werden müssen. (szem, Der Standard, Printausgabe, 06.08.2003)

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    Die dünnste Batterie der Welt (0,4 Millimeter) wurde in Japan der Öffentlichkeit präsentiert - Europa soll mit Japan aufschließen

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