"Wiederholung des Konflikts Haider-Riess-Passer"

8. August 2003, 11:10
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Ralph Vallon, Ex-Berater von Riess-Passer, spricht im STANDARD-Interview über Herbert Haupt und die Führungslosigkeit der FPÖ

Standard: Kommt Ihnen der Konflikt zwischen Haider und Haupt bekannt vor?

Vallon: Das ist ein Konflikt innerhalb der FPÖ zwischen der Partei Haiders und der Partei Riess-Passers, die es nach wie vor gibt. Alle wesentlichen Positionen sind heute noch so besetzt, wie es Riess-Passer eingefädelt hat - vom Finanzreferenten angefangen bis hin zu den Nationalratslisten. Haupt hat das so übernommen. Er ist der Masseverhalter der FPÖ Riess-Passers.

Standard: Rechnen Sie Haupt dem Lager Riess-Passers zu?

Vallon: In der Partei hat sich nicht viel verändert. Der Konflikt Haider-Haupt ist eine Wiederholung des Konflikts Haider-Riess-Passer.

Standard: Welchen Einfluss hat Jörg Haider noch?

Vallon: Der Einfluss von Haider in der Partei ist immer noch groß. Die Situation wird sich nach den Landtagswahlen noch einmal zuspitzen.

Standard: Wie stark ist Haupt?

Vallon: Er hat seine Rösseln und Läufer in der Partei alle in Position, vom Klubobmann angefangen über die Finanzen, die Kommunikation und die meisten Abgeordneten. Wenn es nicht zu einem großen Parteitag kommt, bei dem wieder einmal die Koalition gefährdet wäre, dann kann Haupt aus einer Position der Stärke heraus agieren.

Standard: Die ÖVP scheint voll auf ihn zu setzen.

Vallon: Die ÖVP lobt ihn ins Blaue hinein. Aber was ist schon so toll daran, wenn man nicht einmal versucht, den Absturz von 27 auf zehn Prozent auszudiskutieren?

Standard: Haben Sie eine Präferenz für die Parteiführung?

Vallon: Derzeit ist eine Führungslosigkeit feststellbar. Das war teilweise schon unter Riess-Passer so. Jörg Haider war einmal ein sehr erfolgreicher Oppositionsführer. In Kärnten ist er für FPÖ-Verhältnisse ein sehr erfolgreicher Landeshauptmann. Herbert Haupt hat selbst gesagt, er weiß, wie groß seine Schuhe sind. Wenn man das weiß, sollte man auch danach handeln. Die FPÖ ist der Beiwagen einer neoliberalen Politik der ÖVP und KHGs. Diese Politik ist sicher nicht der Wunsch von 43 Prozent der Wähler.

Standard: Was müsste jetzt getan werden?

Vallon: Eine Steuerreform wäre durchaus angebracht, um wieder mehr Geld in Bewegung zu setzen. Es geht nicht um Almosen, sondern darum, für die Menschen, die in Bedrängnis sind, etwas zu tun.

Standard: Das wird in der FPÖ diskutiert. Und Haupt ist streng auf Regierungslinie.

Vallon: Thomas Prinzhorn hat über Haupt gesagt: Ein Veterinär soll sich besser um die Tiere kümmern als um die Finanzpolitik. Jeder soll schauen, wo er seine Stärken hat.

Standard:Ihr Buch heißt "Harakiri, Die Selbstzerstörung einer Partei". Was müsste die FPÖ tun, um die Selbstzerstörung zu stoppen?

Vallon: Die Selbstzerstörung hat bereits mit dem Regierungseintritt der FPÖ begonnen. Es hat den Anschein, dass die Vorteile und die Machtpositionen einzelner Berufspolitiker vorrangiger waren und sind als die Positionen, die die FPÖ vertreten hat. Darüber darf man nicht hinwegschauen und sagen, wir machen so weiter, irgendwie wird es schon gehen.

(DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2003)

Mit Ralph Vallon sprach Michael Völker.

Zur Person

Ralph Vallon war 2000 Kommunikationsberater von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer. Derzeit arbeitet der 48-Jährige an seinem Buch "Harakiri - Die Selbstzerstörung einer Partei", das im Oktober im Molden Verlag erscheinen wird. Vallon ist unter anderem Eigentümer und Geschäftsführer der Werbeagentur Power Agency in Wien.

  • Ralph Vallon, ehemaliger Kommunikationsberater von FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer.
    foto: standard

    Ralph Vallon, ehemaliger Kommunikationsberater von FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer.

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