Barolo und Co werden auch heuer wieder teurer

8. August 2003, 11:10
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Entgegen den negativen Prognosen für das Weinland Italien hält der Weinboom an

Das anhaltende Schönwetter hat in der Weinregion Sizilien die Ernte bereits auf Anfang August vorverlegt. Und in der Rotweinregion Piemont erwarten die Hersteller der DOCG-Weine Barolo, Gattinara und Ghemme ebenfalls eine Jahrhunderternte, sollte es in den nächsten Tagen noch regnen.

Die Ernte soll sich gegenüber dem Vorjahr um rund acht bis zehn Prozent auf knapp über 50 Mio. Hektoliter erhöhen. "Wir erwarten uns heuer Spitzenqualität", heißt es bei Donnafugata aus Trapani. Um Energie zu sparen, hat der Winzer vor vier Jahren die Nachternte für seine Chardonnay-Reben eingeführt. Die nächtliche Ernte wurde inzwischen nicht nur zum Ereignis für Umwelt-und Weinfreunde sondern auch für den Fremdenverkehr.Der Winzerbetrieb mit vierzehn Weingärten stellt jährlich 1,7 Mio. Flaschen her und hat vor allem mit seinem auf Pantelleria hergestellten Dessertwein Ben Rye (Sohn des Windes) weltweite Anerkennung erhalten.

"Echte Qualität wird prämiert"

Entgegen negativen Prognosen setzt sich der italienische Weinboom fort. Auch die Preisaufwärtstendenz konnte im laufenden Jahr nicht gebremst werden. "Echte Qualität wird prämiert", meinte Pierdomenico Garrone, neu ernannter Präsident der "Enoteca Italia". Ziel der Enoteca ist es, die landesweiten Qualitätsweine besser zu vermarkten. "Wir wollen, dass die Marketing- und Promotionaktionen künftig nicht nur den Wein, sondern auch andere Sektoren, das System Italien, berühren" bestätigte Garrone im Gespräch mit dem Standard das neue Konzept. Anlässlich der Promotion Veranstaltung "Vigneto Italia" (Italiens Weingarten) in Belgirate am Lago Maggiore wurden neue Initiativen der Weinwirtschaft, wie etwa das neue Agrar-Forschungsinstitut in Piemont, vorgestellt.

Trend in den USA

Der Trend zur Qualität ist offensichtlich. In den ersten drei Monaten 2003 verkauften Italiens Winzer drei Mio. Hektoliter, 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Sie kassierten aber mit 584 Mio. Euro rund fünf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2002. Erstmals haben die USA mit um 20 Prozent auf 185 Mio. Euro gestiegenen Exporten Deutschland von Platz eins gewiesen. Denn die Ausfuhren nach Deutschland fielen um mengenmäßig 21 Prozent und um wertmäßig sieben Prozent zurück."Die Deutschen sparen selbst bei Weinen" wurde in Belgirate kritisiert. Dass es sich gegenwärtig um eine echte Weinblase handeln könnte, wollte hier niemand wahrhaben.Schließlich sind die Preise für Italiens Qualitätsweine 2001 um 22 Prozent, 2002 um knapp 30 Prozent gestiegen und wurden auch heuer weiterhin nach oben korrigiert.

Insgesamt rechnet man jetzt mit einer Verteuerung von 20 Prozent bei den edlen Tropfen aus dem Piemont und der Toskana. Inzwischen werden aber auch aus den Abruzzen, aus Kalabrien und Sizilien hervorragende Rotweine zu annehmbaren Preisen (etwa acht Euro) angeboten. (Thesy Kness-Bastaroli aus Belgirate, Der Standard, Printausgabe, 06.04.2003)

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