Run auf Klimageräte schädigt Umwelt

10. August 2003, 20:25
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Klimaanlagen sind auch in Österreich ein Renner - Dies freut zwar die Händler, Stromverbrauch und Emissionen steigen dadurch aber rapid an

Wien – Österreichs Klimaanlagenhersteller und Vertreiber befinden sich ob der drückenden Hitze im kühlen Aufwind. Bisher kannten die Österreicher Klimaanlagen nur vom Auto, angesichts der heißen Sommer der letzten Jahre gibt es einen Trend zur Klimaanlage in den eigenen vier Wänden. Dementsprechend freut sich zum Beispiel Frigopartner, ein Unternehmen, das fix montierte Klimaanlagen vertreibt, über Umsatzsteigerungen von 30 bis 40 Prozent. Konkrete Verkaufszahlen geben die Händler aber nicht bekannt.

Mit der Montagearbeit komme man aber kaum noch nach. "Wer jetzt eine fixe Klimaanlage montiert haben will, muss schon zwei bis drei Wochen warten", so Geschäftsführer Walter Bayer. Ähnlich die Stimmung bei vielen anderen großen Händlern. Laut Herstellervereinigung für Klima- und Gefriergeräte (Eurovent- Cecomaf) wurden 2002 europaweit Klimaanlagen im Wert von 3,5 Mrd. Euro verkauft, Tendenz steigend.

Gravierende Folgen für Europas Energiehaushalt

Was die Unternehmen freut, könnte gravierende Folgen für Europas Energiehaushalt haben. Geht der Trend so weiter wie bisher, wird sich laut einer EU-Studie in Kooperation mit der heimischen Energie verwertungsagentur (EVA) der Kohlendioxidausstoß, ausgehend vom Jahr 1990 bis zum Jahr 2020, verzwanzigfachen.

Im Jahr 2020 werden die EU-Bürger der Studie zufolge allein für den Betrieb ihrer Klimaanlagen rund 44.000 Gigawattstunden im Jahr verbrauchen. Das entspricht fast dem gesamten österreichischen Stromverbrauch vom vergangenen Jahr. Wird nicht gegengesteuert, dann verbraucht Österreich für seine Klimaanlagen im Jahr 2020 rund 200 mal so viel Strom wie derzeit (siehe Tabelle).

Mobile Kühler

Neben den fix montierten Anlagen sind mobile Geräte zurzeit der große Renner. Im Elektrofachhandel geht man dort von einem Umsatzplus von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Die Cosmos/Köck-Gruppe hat den Umsatz vom Vorjahr nach eigenen Angaben bereits jetzt um 15 Prozent übertroffen. Diesmal habe der Verkauf schon früher Anfang Mai begonnen. Das Sortiment wurde in den letzten Jahren beständig ausgeweitet. Am liebsten greifen die kühlungssuchenden Kunden zu den Marken De Longhi, Honeywell, Bosch/Siemens oder Saeco.

Für ein Gerät der unteren Preisklasse kostet etwa 500 bis 600 Euro. Wer qualitativ Hochwertiges will, muss schon mindestens ein bis zweitausend Euro auf den Tisch legen. Nach oben hin ist die Grenze offen.

Geht es nach dem Willen der EU, sollen die Kunden aber künftig nicht nur den Preis in Betracht ziehen, sondern auch den Energieverbrauch. Gemäß der EU- Richtlinie für Raumklimageräte sollten seit Jänner 2003 alle Anlagen nach ihrer Energieeffizienz in Klassen eingestuft und für den Kunden sichtbar ausgewiesen werden. In Österreich arbeitet man noch an der Umsetzung. Ein ähnliches System gibt es aber bereits bei Kühlschränken. (Marlies Neumüller, Der Standard, Printausgabe, 06.08.2003)

  • Kühler Aufwind mit Folgen.
    montage derstandard.at

    Kühler Aufwind mit Folgen.

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