US-Medien hofieren Howard Dean

7. August 2003, 11:53
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Der Exgouverneur von Vermont hat sich schon vor dem Beginn des US-Vorwahlkampfes eine Art inoffizieller Favoritenrolle erobert

Washington/Wien – Über eines kann sich Howard Dean gewiss nicht beklagen: mangelndes Interesse an seiner Person. Seit Tagen wird der Exgouverneur des US-Bundesstaates Vermont von einer TV-Sendung zur nächsten herumgereicht, und diese Woche prangt sein Konterfei einmütig auf den Covern von Newsweek, Time und US News & World Report zugleich: ein veritabler medialer Hattrick für den 54-Jährigen gelernten Mediziner, der sich vor Beginn des US-Vorwahlkampfes eine Art Favoritenrolle unter den demokratischen Herausforderern des republikanischen Präsidenten George W. Bush erobert hat.

Auch finanziell hat Dean seine innerparteilichen Kontrahenten – darunter Schwergewichte wie die Senatoren Joe Lieberman oder John Kerry – überflügelt. Im zweiten Quartal 2003 gelang es ihm,

7,5 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden lockerzumachen – mehr als jeder andere Demokrat. Joe Trippi, Deans Wahlkampfmanager, hat allen, die sich auf seine Mailing- List einschreiben, auch sonst regelmäßig Positives mitzuteilen. In seinem letzten E-Mail vom Montag ("Dear Christoph!") schrieb er etwa, bereits 251,823 Amerikaner hätten erklärt, dass sie Dean unterstützen wollen – 450.000 sollen es Ende September sein.

Dean, der sich von den potenziellen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten am explizitesten gegen den Irakkrieg ausgesprochen hat, steht im Ruf, ideologisch eher links zu sein – was angesichts der meist bescheidenen Performance von weltanschaulich stark exponierten Kandidaten bei US-Präsidentschaftswahlen (George McGovern, Michael Dukakis) kein Vorteil ist. Konkurrent Lieberman, durch die Erfolge Deans offenbar schon ein wenig gereizt, warnte am Montag vor "ideologischen Extremen", wie sie von Parteifreund Dean vertreten würden.

Dennoch ist Dean weniger "links", als es sein lautstarkes Engagement gegen den Irakkrieg glauben macht. In seiner Amtszeit als Gouverneur kürzte er die Sozialausgaben von Vermont, er ist ein Verfechter der Todesstrafe, wenn auch kein eifernder, und er genießt das Vertrauen der Waffenlobby NRA (National Rifle Association). The Nation, Sprachrohr der US-"Liberals", hat einen Vergleich von Deans Programm mit dem des 2002 verstorbenen Senators Paul Wellstone angestrengt, den Dean zeitweilig als Vorbild zitiert hatte. Deans Programm klinge zwar fortschrittlich, aber den Standards, die Wellstone, der wohl am weitesten links stehende Volksvertreter im US-Kongress, gesetzt habe, genüge es keineswegs. The Nation: "Wir sollten dafür sorgen, dass progressive politische Substanz nicht durch bloß progressiven Stil oder progressive Sprache ersetzt wird." (Christoph Winder, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 6.8.2003)

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    Howard Dean: Seine Konkurrenten versuchen ihn in die politisch ganz linke Ecke zu drücken

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