Nida-Rümelin fordert Quote für deutschsprachige Musik im Rundfunk

10. August 2003, 17:22
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Früherer deutscher Kulturstaatsminister: Es geht nicht um Deutschtümelei, sondern um kulturelle Vielfalt und künstlerische Kreativität

Der frühere deutsche Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin hat eine Quote für deutschsprachige Musik im Rundfunk gefordert. Deutschsprachige Rock- und Popmusik werde in deutschen Radiosendern kaum noch gebracht, beklagte Nida-Rümelin in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung". "Wir erleben einen dramatischen Verlust an musikalischer Artenvielfalt, der das Schrumpfen biologischer Arten noch weit übertrifft."

Den Befürwortern einer Quote gehe es nicht um Deutschtümelei, sondern um kulturelle Vielfalt und künstlerische Kreativität, betonte Nida-Rümelin, der sich bereits auf der Musikmesse Popkomm im vergangenen Jahr für eine freiwillige Rundfunkquote eingesetzt hatte. Eine freiwillige Vereinbarung sollte nicht nur deutschsprachiger, sondern generell "anders-als-englischsprachiger Musik einen Minderheiten-Schutz" geben.

"Wir hören in Deutschland nicht nur immer weniger deutsche, sondern auch immer weniger französische, spanische oder italienische, ganz zu schweigen von russischer oder polnischer Musik", meinte der Göttinger Philosophie-Professor, der sich bei seinen Forderungen auch auf Unterstützer wie Udo Lindenberg und Konstantin Wecker sowie den Deutschen Rock- und Popmusikerverband beruft. Er unterstütze auch ausdrücklich den jüngsten Vorstoß des bayerischen Staatskanzleichefs Erwin Huber (CSU), der eine entsprechende Vereinbarung mit dem Bayerischen Rundfunk und den privaten Radiosendern in Bayern getroffen habe. "Ich bin froh, dass er inzwischen von Seiten anderer Länderregierungen unabhängig von ihrer parteipolitischen Färbung Unterstützung erfahren hat."

Gleichzeitig verwies Nida-Rümelin auf das erfolgreiche Modell im Nachbarland Frankreich, wo es eine 40-Prozent-Quote für französischsprachige Titel im Rundfunk gibt. Das habe auch kommerziellen Erfolg, da es Frankreich vom allgemeinen Trend des Umsatzrückgangs in der Musikindustrie abgekoppelt habe. (APA/dpa)

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