Milosevic und der Mord an seinem ehemaligen Ziehvater

6. August 2003, 18:24
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Belgrader Ermittlungsrichter wollen den jugoslawischen Ex-Präsidenten im Fall des ermordeten serbischen Ex-Präsidenten Stambolic einvernehmen

Belgrad/Den Haag - Ein Belgrader Ermittlungsrichter soll am Mittwoch und Donnerstag im UNO-Kriegsverbrechertribunal den jugoslawischen Ex-Staatschef Slobodan Milosevic einvernehmen. Milosevic wird vorgeworfen, in das Kidnapping und die Ermordung des ehemaligen serbischen Präsidenten Ivan Stambolic im August 2000 verwickelt gewesen zu sein.

Stambolic, einstiger politischer Ziehvater von Milosevic, war einen Monat vor der jugoslawischen Präsidentschaftswahl gekidnappt worden, bei der sich Milosevic eine weitere Amtszeit sichern wollte. Stambolic wurde zu dieser Zeit als möglicher Kandidat der Opposition für das Präsidentschaftsamt betrachtet.

Ob es aber tatsächlich zur Einvernahme kommen wird, ist noch unklar. Nach Angaben von Parteifreunden aus der Sozialistischen Partei (SPS) soll Milosevic nämlich nur zu einer öffentlichen Aussage bereit sein. Ein Sprecher des Tribunals hatte vergangenen Woche erklärt, dass im Interesse der Ermittlung die Anhörung von Milosevic unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden soll. Hingegen sagte der SPS-Generalsekretär Zoran Andjelkovic, Milosevic werde seine Aussage nur dann tätigen, wenn die Anhörung in Serbien direkt übertragen werde.

Del Ponte will Belgrad Dokumente zu Milosevic geben

Die Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Carla Del Ponte, will Serbien bei den Ermittlungen gegen Milosevic behilflich sein. Sie will den Belgrader Justizbehörden Dokumente über die Rolle von Milosevic beim Verkauf der serbischen Telekom an Italien und Griechenland zur Verfügung stellen, gab das serbische Justizministerium am Dienstag in Belgrad bekannt.

Beim Verkauf der Telekom 1997 soll es Unregelmäßigkeiten gegeben haben, die Milosevic, aber auch seinen italienischen Partnern, millionenschwere Provisionen gesichert haben sollen.(APA/dpa)

  • Stambolic (links) und Milosevic auf einem Archivbild aus dem Jahre 1987.
    foto: epa

    Stambolic (links) und Milosevic auf einem Archivbild aus dem Jahre 1987.

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