Historikerin entdeckte Rezeptur für fast 600 Jahre altes, deutsches Getränk

11. August 2003, 13:28
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Die Halberstädter Kerstranke von 1423 besteht aus Wein, Weichseln und Gewürzen

Halberstadt - In der deutschen Vorharzstadt Halberstadt in Sachsen-Anhalt hat am Dienstag ein Getränk Auferstehung gefeiert, das über ein halbes Jahrtausend in Vergessenheit geraten war. Ein speziell ausgereifter Weißwein der Region, frisch gepresster Saft von Weichseln und erlesene Gewürze ergeben die "Kerstranke".

Zu Friedensanlässen aufgetischt

Entdeckt wurde die handschriftliche Original-Rezeptur für den edlen Tropfen aus dem Jahr 1423 von der Historikerin Gudrun Wittek, die anlässlich der Vorbereitungen für die Feier des 1.200-jährigen Gründungsjubiläums des Bistums Halberstadt in den Archiven stöberte. Die Wissenschafterin und Hobby-Köchin berichtete, einen Spürsinn für kulinarische Köstlichkeiten zu haben. Nachdem sie die Rezeptur für die Kerstranke gefunden hatte, konnte sie anhand alter Urkunden nachweisen, dass das Getränk mit etwa sieben Prozent Alkohol im 15. Jahrhundert im Ratskeller Halberstadts gelagert und von den Ratsherren zu Friedensschlüssen und anderen repräsentativen Anlässen getrunken wurde.

Industrielle Fertigung

Den Geschmack der Vorväter können sich nun alle munden lassen, denn die Kerstranke wird jetzt nach dem Original-Rezept und gemäß den heutigen Anforderungen an Lebens- und Genussmittelherstellung industriell gefertigt. Wenn 2004 der 1.200. Jahrestag der Bistumsgründung in Halberstadt gefeiert wird, soll jeder Gast mit einem Glas Kerstranke empfangen werden, wie es aus dem Rathaus hieß.

Im Jahr 804 gründete Kaiser Karl der Große das Bistum Halberstadt, dessen Ausdehnung etwa dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt entsprach. Das Bistum bestand 844 Jahre bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges und wurde 1648 als Fürstentum Bestandteil des Kurfürstentums Brandenburg. (APA)

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