Die Herren der Motoren

6. August 2003, 01:00
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Über die symbiotische Beziehung des männlichen Geschlechts zum Auto - eine alltägliche Beobachtung

Eigentlich müsste es DER Auto heißen, dieses Gefährt auf vier Rädern (Dreirädrige rangieren ja eher unter der Kategorie "motorisiertes Fahrrad", oder?). Wird doch das Automobil - im 19. Jahrhundert entlehnt dem frz. "automobile", einer Zusammensetzung aus griech. "autós" (selbst) und "mobilis" (beweglich) - besonders von Männern sehr geliebt. Gepflegt, gewaschen, geschäumt, poliert, gesaugt, ja sogar drauf gespuckt für einen glänzenderen Glanz? Mit einem Wort gehätschelt wird dieses Blechgestell mit Vorliebe an Samstagen, wie frau/man auf großen Tankstellen mit angeschlossenen Wasch- und Sauganlagen beobachten kann. Da tummeln sie sich, die Männer, oft auch Väter mit Söhnen, denn früh übt sich, wer ein "richtiger Mann" und Autoanbeter werden soll. Sie putzen als ginge es um ihr Leben. Um dieses geht es zwar - so hoffe ich - nicht, aber ...

Was steckt dann dahinter? Status? Prestige? Eitles Zur-Schau-Stellen ihres Besitzes oder, genauso schlimm, ledigliches Vorgaukeln desselben? Komplexe? Kompensation? Zweitere Annahme bedingt erstere. Soll mangelndes Selbstwertgefühl mit Statusobjekten aufgefüllt werden? Wo doch alleine der Versuch - wo kein Sein, wird auch der Schein wässrig, durchsichtig, durchschaubar - misslingen muss.

Stolz um sich blickend - ob mann auch ausreichend gesehen und bewundert wird - werden die glänzenden Gefährte, Trophäen gleich, durch den Verkehr der hektischen Stadt oder die "liebliche" Landschaft der Provinz geschoben. Im grellen Sommersonnenlicht kommt die Liebesmüh grandios zur Geltung. Spiegelnd grell sticht es in den Augen, das geputzte, bespuckte, polierte Automobil.

Die gemütlicheren, oft braungebrannten, Spiegelglas-bebrillten und Käppi-behüteten, leicht angegrauten Cabrio-Besitzer weiden sich im sanft-langsamen Schaukeln, mangels Dach zu einer gesetzteren Fahrweise gezwungen. Die Wilderen, meist Jungmänner, optisch Kraft strotzende Kerle, steigen aufs Gaspedal, auch wenn sie vor einer roten Ampel stehen. Die Motoren heulen auf, mangelnde Potenz ihrer Herren übertönend? Dieser Typus findet sich vorwiegend in kleineren, sportlich aufgemotzten Vehikeln. Ein Eindruck, der mittels sonderlicher Aufbauten seitlich und am Ende des Gefährts erzeugt werden soll. Dann gibt es noch die elegante Abteilung. Der Herr mit Anzug im gediegenen, langgestreckten, Macht demonstrierenden Automobil. Auch dieses eine Form des Phallussymbols. Diese Spezies schaut nur aus dem Augenwinkel auf vermeintliche Bewunderer/Innen. Siegessicher, hoch erhobenen Hauptes schlängeln sie durch den Verkehr. Dicke Autos, den Maßen ihrer Besitzer entsprechend.

Schauen wir in die Höfe der Stadt und die Gärten der Reihenhaussiedlungen, so finden wir noch mehr der Zuwendung und Liebesbeziehung zu einem Objekt. Baslerleidenschaft, Mechanikerträumerei, Herren der Technik, Ritter der Motoren, Diener der Blechgestelle. Da werden Köpfe in Motorhauben versenkt, geschraubt, gedreht, Öl kontrolliert, geschmiert. Halbe Leiber verschwinden unter dem Gefährt, nur die Beine zappeln sichtbar. Verschwitzte, schmutzige Gesichter, wenn sie wieder ans gleißende Licht robben.

Nein, nein, auf keinen Fall. Ein Statusobjekt sei das Auto für sie nicht, versichern mir die darauf angesprochenen Herren der Motoren. Mann achte eben darauf. So ein Auto bedürfe der Wartung und Pflege. Wieso es ein derart großes und/oder viel-PS-iges sein müsse? Leicht zu erklären, schwätzen die Herren. Die Sicherheit natürlich. Mann sei eben viel unterwegs, habe lange Strecken hinter sich zu legen. Genug Blech, Komfort, PS und die regelmäßige Wartung daher vonnöten. Ehrensache. Und eine bestimmte Marke, welche sich in entsprechender Geldsumme niederschlägt, garantiere dies. So einfach ist das.

Warum Frauen dagegen in den seltensten Fällen eine libidinöse Beziehung zu ihren fahrenden Untertassen haben? Die meisten sich mit gebrauchten Kleinwägen, den typischen "Frauenautos", begnügen? Ach, das sei reiner Zufall, winken die Herren ab. Frauen würden eben im Durchschnitt weniger fahren als Männer. Würden folglich diesen ganzen Schnick-Schnack nicht brauchen. Könnte es vielleicht sein, dass Frauen eine solche Art der Kompensation nicht nötig haben? Ja, ja, ich weiß schon, es gibt natürlich auch Frauen mit Auto-Komplex. aber um die geht es hier nicht. Sie sind nämlich in der Minderheit.

Von Dagmar Buchta
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    Ob elegant oder sportlich, schnell und auffallend soll es sein, das schöne Männerspielzeug Auto.
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