Mentale Wegbereiter des Krebses

8. August 2003, 21:14
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Groß angelegte Studie beweist psychische Ursachen von Tumoren und anderen Krankheiten - Neurophysiologen bestätigen Stresshypothese

London/Witten - Eine großangelegte Studie beweist, was zahlreiche Experten schon immer behauptet haben: Wer anfällig ist für Stress, Angst und Depressionen ist auch gefährdeter an Krebs zu erkranken. Norwegische Forscher haben dies in einer Mega-Studie herausgefunden, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner jüngsten Ausgabe.

Angst korreliert mit Krebs-Symptomen

Die Studie der norwegischen Psychiater an über 60.000 Personen hat ergeben, dass Schwarzseher und Sorgengeplagte gefährlich leben. Patienten, bei denen man in Tests hohe Angst-Scores ermittelte, wiesen mit einer 25 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit prämaligne Veränderungen auf. Besonders auffällig dabei waren die Zusammenhänge zwischen Psycho-Stress und speziellen Tumoren wie Lymphomen und Melanomen.

Auch in früheren Untersuchungen konnten Experten feststellen, dass diese Malignome etwas mit Defiziten im Immunsystem zu tun haben. Indizien, dass Stress, Angst und Depression die Abwehr knebeln, gibt es bereits. In einer brasilianischen Untersuchung zeigten depressive Patienten im Vergleich zu Gesunden eine eingeschränkte Aktivität der weißen Blutkörperchen und abgeschwächte Antikörper-Antworten, berichtet der Medical Tribune-Deutschland.

Fröhlichkeit macht gegen Erkältung immun

In jüngster Vergangenheit hatten sich zahlreiche Forschungsberichte mit dem Thema "Angst" und "Krankheit" beschäftigt. Nach Ergebnissen einer psychiatrischen Studie der Carnegie Mellon University in Pennsylvania an mehr als 300 gesunden Freiwilligen, konnten die Experten feststellen, dass Fröhlichkeit auch immun gegen Erkältungskrankheiten macht. Nach den Untersuchungsergebnissen erkrankten die negativ-beeinflussten Testpersonen drei Mal so oft an Schnupfen wie die Vergleichsgruppe der zufriedenen. Die Untersuchung, die im New Scientist Magazin beschrieben wurde, verwendete Schlüsselworte als Indikatoren für den Seelenzustand. Die Blutanalysen der Positivdenker wiesen andere Werte auf, als jene der Probanden, die schlechter gelaunt waren.

Wissenschafts- und Medizinstudenten gesünder als andere Studierende

Dass auch die Studienrichtung über den Gesundheitszustand und die Sterberaten Aufschluss gibt, haben Experten der Queens University in Belfast nun bewiesen. Studierende der Natur- und Geisteswissenschaften sowie Medizinstudenten waren gesünder als andere Studierende. In der großangelegten Studie wurden 10.000 Abgänger der Universität zwischen 1948 und 1968 untersucht.

Signifikante Ergebnisse lieferten einzelne Bestandteile der Untersuchung, die ebenfalls in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins New Scientist veröffentlicht wurde. Die Mediziner waren bei den alkoholbedingten Todesfällen Spitzenreiter. Auch beim Rauchen lagen die Ärzte noch vor den Juristen. Nach den Ergebnissen waren die Kunsthochschulabgänger Nummer Eins bei den Herz-Kreislaufkrankheiten und bei den Lungenkrebserkrankungen. Dass die niedrigeren Sterberaten unter den Ärzten, Wissenschaftlern und Ingenieuren lagen, sei auf deren höhere Lebensqualität und ihre bessere soziale Absicherung zurückzuführen, meinen die Forscher, die nur aus reiner Neugier die Untersuchung durchführten. Nun sollen aber die Stammdaten der Abgänger noch weiter untersucht werden.

Neurophysiologen bestätigen

Dass Dauerstress die Metastasenbildung im Körper beschleunigen kann, zeigen auch Studien der Universität Witten/Herdecke. "Nach unseren Ergebnissen werden die Krebszellen nicht zufällig im Körper verschwemmt, sondern durch Neurotransmitter gezielt an bestimmte Stellen gelockt", sagte Prof. Kurt Zenker, Leiter des Instituts für Biowissenschaft am Dienstag in Witten. Neurotransmitter wie Adrenalin oder Noradrenalin sind Botenstoffe im Nervensystem.

"Je nach Art können sie einen hemmenden oder stimulierenden Einfluss auf die Verbreitung von Krebszellen nehmen", sagte Zenker. Stress erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Metastasen fördernden Botenstoffe durchsetzen und damit die Verbreitung des Krebses beschleunigen.

Beobachtung in der Chemotaxiskammer

Die Forscher beobachteten das Verhalten von Krebszellen und Überträgerstoffen in einer so genannten Chemotaxiskammer. Die Studie habe eine Erklärung dafür geliefert, warum die schleichende, oft tödliche Metastasenbildung des Körpers je nach Art und Lage des Primärtumors vorhersehbar sei. "Damit konnten wir eine im Prinzip alte Beobachtung erstmals auf molekularer Ebene bestätigen", erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe, Frank Entschladen.

Einen "Helfer" für spätere medikamentöse Behandlungen sehen die Wissenschafter in der Gamma-Aminobuttersäure, der in dem System hemmende Wirkung auf Metastasen zugeschrieben werde. "Wegen des üblen Geruchs hat die Buttersäure bisher nicht den Weg in die Krankenhäuser gefunden", sagte Zenker. Die Forscher hofften dennoch, gezielt über Medikamente positive Neurotransmittereffekte stärken zu können. Denn die Metastasen seien in 95 Prozent aller Fälle der tödliche Faktor, nicht der Primärtumor. (pte/APA)

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    Stress und Depression begünstigen unterschiedliche Krankheiten, auch Krebs.

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