200.000 Euro Schmerzensgeld für Magersüchtige

20. August 2003, 12:17
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Patientin erlitt Gehirnschaden - Arzt hatte Zwangsernährung nicht beantragt

München - Wegen eines folgenreichen ärztlichen Kunstfehlers in einer städtischen Klinik muss die Stadt München 200.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das hat das Landgericht München I in einem am Dienstag bekannt gegebenen Urteil entschieden.

Trotz des schlechter werdenden Gesundheitszustandes einer heute 29 Jahre alten Patientin hatte der behandelnde Arzt es versäumt, eine gerichtliche Genehmigung für eine Zwangsernährung einzuholen und diese einzuleiten. Bei der Patientin kam es nach Angaben des Gerichts zu einer Hirnschädigung, durch die ihre Persönlichkeit weitgehend zerstört wurde.

Lebenslange Schäden

Die Frau reagiert nur mehr gering auf akustische und optische Reize, eine Kommunikation mit ihr ist den Angaben zufolge nicht mehr möglich. Sie war im Sommer 1992 wegen Magersucht (Anorexia nervosa) in der Intensivstation der Klinik aufgenommen worden und hatte bei einer Körpergröße von 1,68 Meter zeitweise nur noch 28 Kilogramm gewogen.

Die Frau hatte Infusionen abgestöpselt und eine künstliche Ernährung abgelehnt. Der behandelnde Art hätte nach Auffassung des Gerichts wie beim ersten Klinikaufenthalt der Frau beim Vormundschaftsgericht eine Genehmigung zur künstlichen Ernährung einholen müssen. (APA/dpa)

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