Besäufnis mit ökologisch produziertem Wein

4. Dezember 2013, 15:02
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Immer mehr spanische Winzer verbannen Chemie aus Weingärten - Auch Spanier selbst mögen Biowein

Rueda - Langsam, aber sicher gewinnt ökologisch erzeugter Wein auch in Spanien Gewicht. Das hat zuletzt auch El País festgestellt. Höchste Zeit, denn dieser Wein ist auf den Exportmärkten in der mittleren und gehobenen Preisklasse längst zu einem internationalen Aushängeschild geworden.

So reifen in den Eichenfässern und Edelstahltanks Rioja, schwerster Priorat (Katalonien), kräftiger Ribera de Duero, aber auch fruchtiger Rueda (beide Kastilien-León), die ohne chemische Säurekorrektur und mitunter sogar ohne die zur Fass- und Tankreinigung quasi essenziellen Sulfite auskommen.

Reifen mit Biodünger

Wie EU-weit seit diesem Frühjahr üblich, gilt es so gut wie keine Chemie einzusetzen, nicht auf oder in der Rebe, weder im Dünger noch bei der Bekämpfung von Schädlingen oder Unkraut. Mit Biodünger reifen Trauben genauso, hat man festgestellt. Und selbst Helferlein wie Marienkäfer oder Schwebfliegen aus dem Insektenreich schützen Trauben, sofern man sie mit gezielt angelegten Grüngürteln auch lässt.

"Wichtig ist ohnehin nur der Boden. Der soll nährstoffreich und einzigartig in seiner Zusammensetzung sein", sagt einer, der um 1980 Pionierarbeit geleistet hat. Enrique J. de Benito war es, der auf Naturbelassenheit bei auf der im Rueda autochthonen Verdejo-Traube pochte. Er hat seinerzeit nach heutigen Kriterien schon Bioweißweine gekeltert, just als der Schock der Mehltau-Katastrophe von 1972, der tausende Hektar Weinstöcke verwüstet hatte, seinen Winzerkollegen tief in den Knochen saß. Auch sein Sohn Juan de Benito ist dem Grundsatz "keine Chemie" treu geblieben.

Winzer Andrés Iniesta

Mittlerweile schwören mehr als 900 Weinbauern, darunter auch FC-Barcelona-Fußball-Ass Andrés Iniesta mit seiner gleichnamigen Bodega in Fuentealbilla (Albacete), darauf.

Die ökologische Anbaufläche ist zuletzt im Jahrestakt rasant gewachsen. 2008 waren nur 30.000 von gut einer Million Hektar dezidiert ökologisch. Heute sind es mehr als 81.000 Hektar, und Spanien ist damit Weltspitze.

Abneigung gegen Plastikkorken

Auch wenn die Abneigung der Spanier gegen Plastikkorken ungebrochen ist und Korkeichenhaine biologisch bewirtschaftet werden, ist dies heute auch mit Hochtechnologie vereinbar. Das zeigt das Beispiel der Grupo Matarromera (Rueda). Carlos Moro, Chef der Großwinzerei, hat früh den Trend der Zeit erkannt und hat zudem auf den Export gesetzt. 2015 soll mehr als die Hälfte der Produktion in den Export gehen. "Aber nicht um jeden Preis", wie er dem Standard sagt.

Gerade im deutschsprachigen Raum stoße billigerer Wein seit 2012 auf größere Nachfrage, was die sinkenden Erlöse in Deutschland erkläre. "Man opfert doch nicht Qualität und Ideale für einen Kampf, den man nur verlieren kann", sagt Moro. (Jan Marot, DER STANDARD, 23.11.2013)

  • Die Spanier schwören nach wie vor auf Stoppel aus Kork, folgen sonst aber dem Trend der Zeit. Und der geht in Richtung ökologische Weinwirtschaft.
    foto: jan marot

    Die Spanier schwören nach wie vor auf Stoppel aus Kork, folgen sonst aber dem Trend der Zeit. Und der geht in Richtung ökologische Weinwirtschaft.

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