Biogrüne Goldadern in Spaniens Süden

8. Dezember 2013, 14:05
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Olivenbauern und Ölproduzenten in Andalusien setzen auf Nachhaltigkeit und Topqualität statt Masse.

Granada - Wenn Andalusiens Nächte frostig werden, hängen sie schon dunkelblau-violett an den oft jahrhundertealten Ölbäumen. "Minusgrade lassen die Oliven zwar verschrumpeln, schaden aber nicht der Qualität", sagt Victor Morales von der gleichnamigen Ölmühle in Escoznar unweit Granada zum Standard: "Dem Fettgehalt macht das nichts aus. Sie sehen nur etwas alt aus", scherzt er. In seinem Betrieb wird zwar preisgekrönt-zertifizierte Topqualität produziert - Virgen Extra, die erste, kalte, mechanische Pressung. Doch hat er, wie so viele, noch kein "Bio"-Siegel.

Die Umstellung einiger zuliefernder Landwirte auf Bio dauere noch an, wie er sagt. Viele Kunden wären auch nicht bereit, mehr zu zahlen. Nicht weil sie nicht wollten. Sie könnten es sich nicht leisten. Andererseits müsse "nicht immer edles Öl als Frittierfett dienen".

Rasche Weiterverarbeitung

Noch sind ökologisch erzeugte Olivenöle vor allem in der Spitzengastronomie, im Tourismus und im Export gefragt. Etwa 74 Prozent gehen noch immer als Schüttgut ins Ausland. Nirgendwo sonst wird so viel vom berühmten "grünen Gold" produziert wie in Andalusien. Rund 80 Prozent des spanischen Olivenöls werden auf knapp 60 Prozent der nationalen Anbaufläche (2,4 Millionen Hektar) gewonnen.

Was vom Baum genommen wird, muss noch am selben Tag in der Mühle verarbeitet werden. Das gilt auch für das ökologische Öl, das heuer zum dritten Mal von den Olivenbäumen gewonnen wird, die auf den Hängen hinter dem Maurenpalast Alhambra in Granada wachsen. Es ist ein Öl, das als "Flüssiggold" (span. Oro Líquido) unter der Marke "Dehesa del Generalife" in geringer Menge (nur rund 20.000 Liter) vermarktet wird. Ist es doch dem Erbe der islamisch geprägten Jahrhunderte zu verdanken, dass Az-zayt (altes Wort für Olivenöl), heute in Spanien Aceite genannt, in aller Munde ist. Sie brachten nicht nur neue Sorten wie Hojiblanca und Picual (herb-scharf, bitter) oder die fast süße, fruchtig-milde Arbequina über den Umweg der Kreuzritter mit. Sie kultivierten auch das Ackerland und die Verwendung des Öls in Küche, Pflege, Medizin.

Zertifizierung nach drei Jahren

Für das auch von Morales angestrebte Biosiegel der CAAE (Comité Andaluz de Agricultura Ecológica) bedarf es wie üblich rigoroser Sorgfalt und Kontrolle. Kein Kunstdünger, kein Unkrautvernichtungsmittel und vor allem kein chemischer Insektenschutz darf beim Anbau zum Einsatz kommen. Erst nach drei Jahren darf der Ertrag eines Bio-Olivenhains die Plakette tragen. Weitere drei Jahre sind Ertragseinbußen zu schlucken. Dass mit den ohnehin knappen Wasserressourcen sparsam umzugehen ist, versteht sich von selbst.

Extensive Monokulturen haben längst dafür gesorgt, dass der Ölbaumanbau stark degradierte Böden hinterlassen hat. Das erschwert die Umstellung auf biologischen Anbau. Es dauert Jahre, bis eine deckende, erosionssichere Schicht wieder Humus und Jauche aufnehmen kann und Insekten wie die Raupenfliege anlockt.

Diese lieben nicht nur die Blüten der Färberkamille, sie legen ihre Eier auch in die Larven von Schädlingen. Sie helfen beispielsweise bei der Eindämmung der gemeinen Olivenfruchtfliege.

Besorgte Umweltschützer

Im nordostspanischen Tarragona wird aktuell vor dem Versuch gewarnt, Schädlinge mittels einer genetisch veränderten Olivenfruchtfliegenart zu bekämpfen. Besorgte Umweltschützer und auch Bauern fürchten um ihre Ernten. Grund: Die Fliegen legen Eier in die Oliven, und die Gefahr ist groß, dass Spuren auch in die Nahrungskette gelangen. Der britische Biotech-Konzern Oxitec hatte Kataloniens Regionalregierung eine Lösung gegen die Plage angeboten und will den Feldversuch starten.

"Die Insekten wurden nur im Labor erprobt. Die Risiken für Konsumenten und Umwelt sind zu groß", sagt Blanca Ruibal von der NGO Amigos de la Tierra. Oxitec widerspricht: Ihre Fliegen würden nach der Paarung sterben. Es bestünde keinerlei Gefahr. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 8.12.2013)

  • Ein Olivenbaum voller Früchte bei Granada: Vor allem in der Spitzengastronomie trifft biologisch erzeugtes Olivenöl auf steigende Nachfrage.
    foto: jan marot

    Ein Olivenbaum voller Früchte bei Granada: Vor allem in der Spitzengastronomie trifft biologisch erzeugtes Olivenöl auf steigende Nachfrage.

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