Miniaturtheater aus Papier

Ansichtssache22. November 2013, 19:08
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Im 19. Jahrhundert war die Theaterbegeisterung eine wahrhaft große und infiltrierte auch bürgerliche Haushalte: In Form von Miniaturtheatern aus Papier, auf deren Produktion sich einige Verlage spezialisiert hatten: In Deutschland etwa Renner (Nürnberg), Winkelmann (Berlin) oder Scholz (Main), in Österreich wiederum der Verlag Brüder Trentsensky, der etwa auch auf den Druck sogenannter Mandlbögen (Ausschneidebögen mit Anziehfiguren) spezialisiert war.

Solche Papiertheater waren jedenfalls eine Passion des Anthropologen Herbert Zwiauer, der bis zu seinem Tod im Jahr 2011 eine bemerkenswerte Sammlung zusammentrug: 50 spielbereite Papierbühnen, dazu Dekorationen, Proszenien, Figuren, Vorhänge und Deckendekorationen, Durchsichten, Versatzstücke und Texthefte, insgesamt 22.000 Teile. Eine vom Publikum viel bewunderte Auswahl - beispielhaft Jules Vernes In 80 Tagen um die Welt (Schreiber-Verlag, 1880) - präsentierte der Kunsthändler Josef Mitmannsgruber anlässlich der Kunst- und Antiquitätenmesse WIKAM. Der Haken: Die Papiertheatersammlung soll geschlossen erhalten bleiben. Und das hat seinen Preis - konkret 300.000 Euro. (kron, Album, DER STANDARD, 23./24.11.2013)

foto: kunsthandel mitmannsgruber

"Der Zirkus in der Stadt": Miniaturtheater in ägyptischem Stil, 1850 von den Brüdern Trentsensky (Wien) verlegt.

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foto: kunsthandel mitmannsgruber

Jules Verne - in 80 Tagen um die Welt: 1880 vom Schreiber-Verlag (Esslingen) produziertes Papiertheater.

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foto: kunsthandel mitmannsgruber

"Japanisches Zimmer" - dem Japonismus-Hype des späten 19. Jahrhunderts folgend produzierte Schreiber (Esslingen) diese japanische Kulisse.

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