Schleimer und Messerwetzer

24. November 2013, 18:45
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An Fellners Einschätzung "Menschen mit Charakter fehlen unserem Fußball" anknüpfend, lobte Jeannée die "lieben Spieler, von Alaba bis Zulechner"

Auf dem grünen Rasen sich mit Ruhm zu bedecken, ist dem österreichischen Nationalteam nicht oft gegönnt. Umso größer war die Begeisterung, als ihm dies mit seinem offenen Brief an den Herausgeber von "Österreich" gelang. Darin ließen die Spieler Wolfgang Fellner als journalistische Windfahne flattern, versicherten den Teamchef der Solidarität der Mannschaft und wiesen nebenbei auf die in "Österreich"geübte Praxis hin, Interviews zu veröffentlichen, ohne den Interviewten zuvor mit Fragen belästigt zu haben. Schier nicht einkriegen ob der Heldentat konnte sich unüberraschenderweise Michael Jeannée, dem die "Krone" für ein Poststück an die "Lieben Spieler des österreichischen Nationalteams" eine halbe Seite überließ, auf der er "von Eurem außerordentlichen Mut, den zu zeigen Ihr den außerordentlichen Mut hattet, sang. Besagten Mut hätten sie mit Eurem offenen Brief an das tägliche Krawallblattl, das sich perfiderweise so nennt, wie unser Land heißt" bewiesen.

An Fellners Einschätzung "Menschen mit Charakter fehlen unserem Fußball" anknüpfend, lobte Jeannée die "lieben Spieler, von Alaba bis Zulechner". Sie hätten "mit Eurem Brief offenkundig gemacht, wo 'Menschen mit Charakter' in der Tat fehlen". Und jetzt die Überraschung: "Nämlich in der Chefetage jenes Krawallblattls, das sich perfiderweise so nennt, wie unser Land heißt". Das Lob ward mit einer Warnung aus besagter "Chefetage" verbunden, "wo jetzt, da könnt Ihr gewiss sein, besagter Herausgeber die Messer wetzt".

"Liebe Spieler, von Alaba bis Zulechner", die ob dieses Zundes ins Knieschlottern verfallen könnten, wusste Jeannée unter leichter Überdehnung seiner Befugnisse auf das Eleganteste zu beruhigen. "Apropos Solidarität: Ich glaube, im Namen aller Sportjournalisten dieses Landes Euch derselben guten Gewissens versichern zu können, wenn die Messer des Herausgebers vom Krawallblattl, das sich perfiderweise so nennt, wie unser Land heißt, zum Einsatz kommen".

Spätestens an dieser Stelle sollte jeder "Krone"-Leser verstanden haben, wie "perfiderweise" das Land heißt, in dem der "Herausgeber vom Krawallblattl die Messer wetzt". Dieser schlug einen Tag später in einer Weise zurück, die jeden Messerwetzer als harmlosen Spinner erscheinen lässt. Aus einem ganzseitigen Eigeninserat schrie es dem Konsumenten entgegen: "Liken Sie Wolfgang Fellner jetzt auf Facebook", selbstverständlich mit dem Zusatz "NEU". Angepriesen wurden tägliche "Updates & Insider-News von Wolfgang Fellner. Wolfgang Fellner stellt für Sie die wichtigsten aktuellen Informationen aus dem "Österreich" -Newsroom auf seine Seite". Eine gefährliche Drohung, die mit einem Konterfei unterlegt wurde, das den "Herausgeber vom Krawallblattl" als den treuherzigsten aller Messerwetzer darstellt, dem kein Facebooker sein Like verweigern wird, sofern noch ein Funken Mitleid in seinem Busen glüht.

In dieser Auseinandersetzung zwischen Jeannée und Fellner, "Österreich" und "Krone" konnte Armin Thurnher im "Falter" nicht neutral bleiben. Er schlug sich, wenn auch verhalten, auf die Seite des Sprechers "im Namen aller Sportjournalisten dieses Landes". Nun habe sich die Nationalmannschaft gegen Fellners Praktiken gewehrt. "Bizarrer Nebeneffekt: Michael Jeannée trat in der 'Krone' als Medienkritiker auf und warf Wolfgang Fellner Schleimigkeit vor. In all seiner Schleimigkeit hatte Jeannée Recht!"

So viel Lob aus dem "Bolschewikenblattl" sollte Jeannée "in all seiner Schleimigkeit" stolz machen, ist es auch nur in Relation zu einem Messerwetzer gespendet. "Diese Verhaltensweise wird von der Politik reich finanziert, diese Art von Medien wird offiziell gewünscht", beklagt Thurnher die geförderte "Schleimigkeit". Vielleicht weniger gewünscht, wenn es um Fußball, und mehr, wenn es um Politik geht.

Etwa wenn Fellner, wie am Mittwoch, erkannte: "Unsere Lehrer laufen derzeit in eine katastrophale 'Abseitsfalle'. Sie haben nicht erkannt, dass man Uralt-Privilegien in Zeiten von Ganztagsschulen und moderner Technik nicht ewig verteidigen kann. Die eigene "Betongewerkschaft" hat die Lehrer in eine hoffnungslose Lage gebracht. An einer 24-Stunden-Woche für Lehrer führt kein Weg vorbei ... Ein Streik-Aufruf wäre für das Image der Lehrer wie ein Selbstmordkommando. Der Ruf der wichtigsten Berufsgruppe wäre bei Eltern und Kindern auf Jahre hinaus ruiniert."

Das gilt es festzuhalten. Kann ja sein, dass er in ein paar Tagen das Gegenteil schreibt. (Günter Traxler, DER STANDARD, 23./24.11.2013)

  • Wolfgang Fellner.
    foto: apa/herbert neubauer

    Wolfgang Fellner.

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