Nicht die "unterste Stufe"

23. November 2013, 20:00
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Für eine erfolgreiche Lehrlingsausbildung gibt es kein einheitliches Programm. Unternehmen, die in die Ausbildung von jungen Menschen investieren wollen, sollten vorab sechs Aspekte klären

Im Prinzip stimmen viele Unternehmen darin überein, dass es sinnvoll ist, Lehrlinge auszubilden. Gleichzeitig ist aber auch die Meinung weit verbreitet, dass eine Lehrlingsausbildung sehr komplex ist, dass sie viel Zeit in Anspruch nimmt und dass die Qualität der Lehrlinge nicht so ist, wie man es sich wünscht.

Diese Bedenken sind durchaus verständlich: Schließlich scheitern viele Unternehmen daran, ausgebildete Lehrlinge langfristig zu integrieren, und es bleibt der Eindruck zurück, viele Jahre umsonst investiert zu haben. Die Schuld daran sollte man jedoch nicht den Lehrlingen und ihrem mangelnden Engagement zuschreiben, sondern sie vielmehr in einer mangelhaften Strategie bei der Lehrlingsausbildung im eigenen Unternehmen suchen.

Wer eine Lehrlingsausbildung implementieren will, sollte zumindest die folgenden Fragen klar beantworten können:

  • Wie viele Lehrlinge benötigen Sie für die nächsten fünf Jahre?
  • Sind Sie ein reiner Ausbildungsbetrieb, oder wollen Sie alle ausgebildeten Lehrlinge auch übernehmen? Oder streben Sie eine Mischform an?
  • Streben Sie eine herkömmliche Lehrlingsausbildung an? Oder planen Sie darüber hinaus, andere Bildungsbausteine anzubieten? Wie wichtig ist Ihnen der Aspekt der begleitenden Matura?
  • Sind Sie bereit, Kooperationen einzugehen? Wenn ja, mit welchen Betrieben und zu welchen Themen?
  • Wie soll das Profil Ihrer Lehrlinge sein? Ausschließlich Volljährige? Auch Randgruppen, um einen Beitrag zu Diversity & Inclusion zu leisten?
  • Welche Rollen bzw. Jobs können Sie ausgelernten Lehrlingen anbieten? Welche Karriereschritte und Ausbildungsmöglichkeiten knüpfen daran an?

Am zielführendsten ist es sicherlich, die Lehrlingsausbildung klar als Investition in die Zukunft zu sehen. Lehrlinge erbringen eine Leistung, die nicht zu unterschätzen ist. Dennoch sind sie in erster Linie junge Leute, denen wir einen Beruf lehren. Wir sind dafür verantwortlich, dass sie in unser Unternehmen eingebunden werden, dass wir ihnen unser fachliches Know-how mitgeben und dass wir mit ihnen unsere Erfahrung teilen.

Sobald Lehrlinge nicht nur fachlich betreut werden, sondern darüber hinaus eine Anlaufstelle haben, die ihnen bei Fragen, Sorgen und Wünschen hilft, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor gegeben. Vernetzen Sie Ihre Lehrlinge. Junge Personen machen das ganz natürlich, auch über digitale Medien - nutzen Sie diese Chance und setzen sie modernen Medien bei der Ausbildung ein. Wir bekommen über Lehrlinge Zugang zu einer Generation am Arbeitsmarkt, die die Zukunft ist. Aufgrund ihres Alters gehören Lehrlinge immer der jüngsten Generation an und bringen neue Ideen, frischen Wind und viel Innovation mit. Wir müssen nur damit anfangen, ihnen zuzuhören. Sie zwar als jüngste Mitarbeiter wahrzunehmen, aber nicht als Mitarbeiter der "untersten Stufe" zu behandeln. Sondern als vollwertige Mitglieder des Unternehmens, für die wir langfristig einen Plan haben. (DER STANDARD, 23.11.2013)

Am 3. und 4. Dezember findet das erste Lehrlingsforum des Business Circles statt. Business Circle

Weiterführende Artikel zum Thema finden Sie auf der Ressortseite Lehre.

  • Simone Oremovic ist Director Human Resources beim Pharmakonzern Baxter und zuständig für alle HR Agenden der 4400 Mitarbeiter am Standort Österreich.
    foto: archiv

    Simone Oremovic ist Director Human Resources
    beim Pharmakonzern Baxter und
    zuständig für alle HR Agenden
    der 4400 Mitarbeiter am Standort Österreich.

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