"Mentale und kulturelle Hürden" blockieren Frauen

24. November 2013, 18:27
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Mehr Frauen in Fach- und Führungskräftepositionen zu bringen, sehen Unternehmen als zentrales Thema. Theoretisch.

Es ist der dritte jährliche HR-Report des Personaldienstleisters Hays und des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE). Der Bericht widmet sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig der Frauenförderung. Quer durch die Branchen wurden 550 Führungskräfte im deutschsprachigen Raum zu Themen im Bereich der Human Resources befragt - zur demografischen Entwicklung, zu Personalentwicklungsthemen, zu Recruiting und vor allem zu Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Fach- und Führungspositionen respektive deren Umsetzung.

Vorab: Die fokussierte Aufmerksamkeit auf das "Frauenthema" hat an ihrer tatsächlichen Bedeutung in den Unternehmungen nicht wirklich viel verändert. Lediglich 41 Prozent der Befragten bewerteten dieses Themenfeld als (sehr) relevant. Und nur 17 Prozent der Befragten (Deutschland, Österreich, Schweiz) messen einer fixen Quote in ihren Unternehmen Bedeutung bei.

Zwar planen 39 Prozent der österreichischen Unternehmen, den Anteil von Frauen in Fach- und Führungskräftepositionen zu steigern - allein, das spiegelt sich nicht in den dafür notwendigen Maßnahmen wider. Entsprechend ernüchternd auch die Datenlage: 64 Prozent der befragten Führungskräfte aus Österreich geben an, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch nicht realisiert sei. Hinzu kämen "kulturelle und mentale" Hürden: 48 Prozent sehen klassische Rollenbilder als "hohe Hürde" für den hierarchischen Aufstieg von Frauen, 31 Prozent sehen eine geringe Akzeptanz der Frauenförderung durch die Führungskräfte selbst (siehe Grafik).

Vereinbarkeit stärken

Als wünschenswert, allerdings noch nicht zur Genüge umgesetzt bzw. als zentrale Maßnahmen zur Frauenförderung genannt werden "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" (67 Prozent), "Kinderbetreuungsmöglichkeiten" (57 Prozent) und die "Unterstützung seitens des Unternehmens" (45 Prozent). Frauen wünschen sich überdies mehr direkte Unterstützung von ihren Führungskräften und Kollegen.

Die zurzeit umgesetzten Maßnahmen, so der Tenor, würden für die Zielerreichung einer höheren Frauenquote in Fach- und Führungspositionen noch nicht ausreichen: 41 Prozent der Frauen denken so und 52 Prozent der Männer. Das Fazit von Jutta Rump, EBE-Chefin: "Unternehmen tun noch zu wenig, um Frauen stärker teilhaben zu lassen. In Kombination mit den nach wie vor gegebenen mentalen und kulturellen Barrieren müssen wir uns auf einen langwierigen Prozess einstellen, bis Frauen angemessen in Führungs- und Fachrollen vertreten sind. In Anbetracht der demografischen Entwicklung ist dies alles andere als zufriedenstellend."

 Schwierige Talentesuche

Eher verhalten nähern sich die Unternehmen dem Thema der demografischen Entwicklung an - eines der zentralen Themen hier: die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit. Für viele der befragten Unternehmen stehen hier die Bereiche lebenslanges Lernen sowie der Erhalt der Work-Life-Balance ganz oben auf der Agenda. Aber auch hier seien die Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis klar ersichtlich. Neben der Bindung bestehender Mitarbeiter begeben sich die meisten Unternehmen zusätzlich auf die Suche nach - laut dieser Studie - IT-Fachkräften und Hochschulabsolventen. Wenngleich sich die "Mitarbeitergewinnung" als schwierig herausstelle: Drei Viertel der Befragten waren dieser Ansicht.

Wichtig deshalb - um auch die Richtigen für das Unternehmen zu bekommen - die stete Arbeit an der Unternehmenskultur, eine immer wieder adaptierte "marktgerechte Entlohnung", die Etablierung eines Talentmanagements und eine "Sensibilisierung der Führungskräfte" in Sachen Work-Life-Balance für die Mitarbeiter sowie für flexible Arbeitszeitmodelle. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 23.11.2013)

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    foto: der standard
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