Die Verlustängste der Finanzchefs

23. November 2013, 20:44
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Meistens kündigen Fach- und Führungskräfte ihren Job, wenn sie ein attraktiveres Gehaltsangebot bekommen

Gute Jobaussichten für Fachleute aus dem Finanz- und Rechnungswesen - sie gehören laut einer aktuellen Studie des internationalen Personalberaters Robert Half zu einer der gefragtesten Gruppen am Arbeitsmarkt. Erfreulich für die Gruppe ist jedenfalls auch, dass die Gehälter, die an sie gezahlt werden, als durchwegs attraktiv bezeichnet werden können.

Im Sommer dieses Jahres wurden rund 200 Human-Resources-Manager (50 davon aus Österreich) nach ihren Besetzungsplänen im Finanz- und Rechnungswesen gefragt ("Workplace Study"). Ergebnisse dieser Umfrage flossen in die kürzlich veröffentlichte Studie "Gehaltsübersicht Finanz- und Rechnungswesen 2014" ein - nach dem Motto: Wer besetzen will, muss auch entsprechende Gehälter zahlen. Zunächst Ergebnisse aus der "Workplace Study": Für das zweite Halbjahr 2013 planten 26 Prozent der Chief Financial Officers (CFO), zusätzliche Stellen zu schaffen - sieben Prozent mehr als noch im ersten Halbjahr. Weitere 56 Prozent hatten damals vor, offene Stellen zu besetzen.

Schwierige Suche

 Der optimistische Blick auf die konjunkturelle Entwicklung treibe die Neuschaffung von Stellen voran. Als konkrete Gründe dafür gelten 1.) Unternehmenswachstum, 2.) neue Projekte und 3.) die Erschließung neuer Märkte. Besonders gefragt: Spezialisten in der Finanzanalyse und im Finanzmanagement - auch Fachkräfte für Compliance sowie den Bereich Steuern und Treasury, heißt es weiter. Allerdings lasse sich laut Studienautoren die Suche nach den passenden Kandidaten nicht einfach an. So gaben 80 Prozent der österreichischen CFOs an, dass die Suche nach geeigneten Fach- und Führungskräften (sehr) herausfordernd sei.

Darüber hinaus sei die große Mehrheit bemüht, ihre Topkräfte nicht an die Konkurrenz zu verlieren - 73 Prozent der CFOs schlügen sich laut Befragung mit dieser Sorge herum. Das attraktive Gehalt zähle daher zu einem der wichtigsten Kriterien, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen bzw. auch zu binden. Nicht zuletzt deshalb gaben 35 Prozent der CFOs an, die Grundgehälter anheben zu wollen. Jeder fünfte Finanzchef (21 Prozent) gab an, dass im Unternehmen daran gedacht werde, auch Bonuszahlungen zu erhöhen.

Attraktive Pakete zählen

Laut der Gehaltsübersicht 2014 verdienen etwa Controller mit einer Berufserfahrung von sechs bis neun Jahren (in Deutschland; die Zahlen für Österreich liegen noch nicht vor, Anm.) zwischen 62.000 und 75.000 Euro. Abteilungsleiter Controlling dürfen mit ähnlich langer Berufserfahrung mit einem Gehalt zwischen 79.000 und 94.000 Euro rechnen. Die Gehälter im oberen Managementlevel steigen, so die Berater, dann oftmals auf über das Doppelte - ein CFO könne dann, abhängig von der Unternehmensgröße und Branchen, deutlich über 200.000 Euro im Jahr verdienen.

Den Arbeitgebern rät der Personalberater, potenziellen Kandidaten attraktive Pakete anzubieten, die neben einem wettbewerbsfähigen Gehalt auch freiwillige Zusatzleistungen enthalten. Fahrtkostenzuschüsse, vermögenswirksame Leistungen oder Verpflegungsgutscheine werden hier dazugezählt. Jüngere Arbeitnehmer sprechen besonders auf flexible Arbeitszeiten oder auf die Überlassung von Smartphones und Tablet-PCs an. Aber nicht nur mit Materiellem könne gepunktet werden, heißt es - ebenso viel zähle die Unternehmenskultur, die Marke, für die man arbeite. (haa, DER STANDARD, 23.11.2013)

  • Auserwählte: Besonders gefragt sind laut Personalberater Robert Half Experten in Compliance, Steuern und Treasury.
    foto: istockphoto

    Auserwählte: Besonders gefragt sind laut Personalberater Robert Half Experten in Compliance, Steuern und Treasury.

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