Psychotherapie und Medikamente verlängern Alkoholabstinenz

22. November 2013, 11:37
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Entscheidend für den Behandlungserfolg ist eine hohe Motivation der Betroffenen zur Psychotherapie

Freiburg - Gezielte Medikation und individuelle Psychotherapie kommen in der Behandlung von Alkoholabhängigkeit derzeit nur selten zum Einsatz. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass sich beide in gestuften Behandlungsprogrammen bewähren: Erhalten Patienten zunächst Medikamente und anschließend zusätzlich psychotherapeutische Betreuung, lassen sich schwere Rückfälle reduzieren oder hinauszögern.

Entscheidend für den Behandlungserfolg ist eine hohe Motivation der Betroffenen zur Psychotherapie. Die Studienergebnisse der Forschergruppe um Michael Berner, Oberarzt in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums und Ärztlicher Direktor der Rhein-Jura-Klinik Bad Säckingen, stehen als Vorabveröffentlichung des Fachmagazins Alcoholism: Clinical & Experimental Research online.

"Bisher werden Alkoholabhängige in Deutschland vorwiegend von Suchtberatern betreut", sagt Berner. "Erst seit wenigen Jahren übernehmen die Krankenkassen auch die Kosten für störungsspezifische, evidenzbasierte Psychotherapien. Nach wie vor lehnen jedoch viele Therapeuten alkoholabhängige Klienten aufgrund vermeintlich geringer Behandlungschancen ab." Ähnliches gelte für sogenannte Anti-Craving-Medikamente, die das Verlangen nach Alkohol reduzieren können. Auch sie gehören bislang nicht zur Standardbehandlung.

Rückfall hinauszögern

In einer gemeinsamen Studie der Universitätskliniken Freiburg, Tübingen und Mannheim konnten Berner und seine Kollegen nun zeigen, dass sowohl Anti-Craving-Medikamente als auch Psychotherapie den nächsten Rückfall hinauszögern können. Bereits die Einnahme von Medikamenten verdoppelte die Chance abstinent zu bleiben. Wurden die Patienten zusätzlich psychotherapeutisch betreut, vervierfachte sich die Wahrscheinlichkeit dauerhafter Abstinenz.

An der Studie nahmen 109 Patienten teil, die während einer Behandlung mit Anti-Craving-Medikamenten beziehungsweise Placebos einen schweren Rückfall erlitten hatten. Sie wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt: 55 Patienten erhielten Medikamente und medizinische Betreuung, während 54 Patienten zusätzlich eine individuell abgestimmte, störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie absolvieren sollten. Nur 33 Betroffene traten die Therapie jedoch an: "Die prinzipielle Bereitschaft zur Therapie genügt nicht. Oft fehlt die Willenskraft, den Plan auch umzusetzen und einen fremden Therapeuten aufzusuchen. Hier kann eine enge Kooperation und Vernetzung von behandelnden Ärzten und Psychotherapeuten helfen", so Berner. Auch die individuelle Anpassung der Therapie an die Bedürfnisse des Patienten sei entscheidend für den Behandlungserfolg. Von einer Therapie ohne innere Zustimmung des Patienten sei dagegen abzuraten.

Psychische Störung

"Sowohl die Behandlung mit Anti-Craving-Medikamenten als auch die umfassende Information über die Möglichkeit psychotherapeutischer Betreuung sollten unbedingt zu selbstverständlichen Bestandteilen der Behandlung von Alkoholabhängigkeit werden", fordert Berner. Dafür sei jedoch auch ein öffentliches Umdenken nötig: Alkoholabhängigkeit müsse als psychische Störung begriffen werden. Bisher würden Patienten mit Alkoholproblemen oft nicht als Kranke gesehen. "Wenn man die Öffentlichkeit fragt, wo in der Versorgung oder in der Forschung gespart werden soll, werden immer die alkoholbezogenen Störungen zuerst genannt", so der Psychiater. (red, derStandard.at, 22.11.2013)

  • Die alleinige Einnahme von Medikamente verdoppelt die Chance abstinent zu bleiben.
    foto: apa/jens büttner

    Die alleinige Einnahme von Medikamente verdoppelt die Chance abstinent zu bleiben.

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