Leid lindern, Wachstum fördern

23. November 2013, 10:28
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Die zwei Siegerprojekte bei "Ideen gegen Armut" sind gekürt: Einmal geht es gegen die Isolation migrantischer Familien, einmal um Mütter und ihre Babys

Das Finale des sozialen Innovationspreises "Ideen gegen Armut" ist immer von besonders guten Energien getragen.

Heuer war aber alles noch einmal ganz anders: Eingebettet in einen Tag, ganz gewidmet dem sozialen Unternehmertum (Social Entrepreneurship) auf dem neuen Campus der Wiener WU, bei dem Studierende und Absolventen zeigten, welche unternehmerischen Ideen im sozialen Bereich sie bereits verwirklicht haben, und an dem eine Reihe prominenter Sozialunternehmer und Stifter zum Austausch gekommen war, fiel die Wertung der Jury auf die Projekte Grow Together und Nachbarinnen in Wien.

Jeweils 42.000 Euro Anschubfinanzierung stellt Projektpartner Coca-Cola den Projekten zur Verfügung. Mit den "Nachbarinnen" bahnt Christine Scholten in Wien mit sozialen Assistentinnen in aufsuchender Sozialarbeit isolierten migrantischen Familien den Weg in die Gesellschaft. Nachbarinnen zeigen isolierten Familien ihrer eigene Kultur, wie sie bestehende Angebote für Bildung, Gesundheit und Soziales nutzen können. Im Mittelpunkt steht die Stärkung von Frauen und Förderung der Kinder.

Gemeinsam besser

In "Grow Together" haben Katharina und Michael Kruppa es sich mit ihrem Tageszentrum zum Ziel gesetzt, Mütter aus einem sozial und psychisch hoch belasteten Umfeld einen entwicklungsfördernden Umgang mit ihren Babys zu ermöglichen, gleichzeitig werden Schulung und berufliche (Re-)Integration angeboten.

Ausgehend von der Haltung, dass es nun einmal ein Privileg sei, in Österreich geboren zu sein und einen sehr guten Job zu haben, sagte Projektpartner Philipp Bodzenta (Coca-Cola), es sei ein Glück, Zeit und Geld spenden zu dürfen. Den Nachwuchs "schnell in Positionen zu bringen, wo sie wirklich etwas verändern können", nannte Otto Hirsch, der ausgehend von seinem Malereibetrieb in Österreich in benachbarten osteuropäischen Ländern Familienbetriebe entwickelt und daran angeschlossen eine Reihe Sozialeinrichtungen etabliert hat, als dringendes Gebot der Stunde.

Privatstiftungen motivieren

Norbert Zimmermann, Aufsichtsratschef der Berndorf AG und selbst Stifter (Berndorf-Stiftung), verwehrte sich massiv gegen eine "Reichensteuern", wie von Moderatorin, Ombudsfrau und Jurymitglied in den "Ideen gegen Armut", Barbara Stöckl, favorisiert. Steuer lande im Fiskus, vielmehr sollten Reiche motiviert werden, etwas zu tun - und zum Steuerregime ergänzend: "Es tut natürlich jedem Spender weh, wenn er 25 Prozent Kapitalertragssteuer abliefert, sobald er sozial etwas tut." Sein Ziel: Jede der rund 3000 Stiftungen in Österreich und jeder der 1000 Vermögenden möge sich drei soziale Projekte "zur Brust" nehmen, das eigene Tun evaluieren, kommunizieren. Ganz aus der Verantwortung will Barbara Stöckl den Staat nicht lassen - sie forderte auf, die Diskussion "Sozialstaat 2014" öffentlich anzustoßen: Was soll er leisten, was ist neu zu gestalten?

Nicht auf die Armen runterzusehen und zu sagen: "Ich helf dir jetzt", sagte Katharina Turnauer - sie führt die familieneigene Stiftung und deren soziales Wirken -, sondern einen Paradigmenwechsel im Helfen zu schaffen und ein Bewusstsein zu erlangen, "dass unsere Gesellschaft von der Ich-AG wegkommt und jeder tut, was er kann": Das sei ihre große Motivation.

Dass Jungen "heutzutage" das Feuer fehle - dagegen verwehrte sich das Diskussionspublikum an der WU beim Campustag für Sozialunternehmer. Kein Wunder, überwiegend ist das über 100-köpfige Auditorium selbst mit aller Kraft in Sozialprojekten engagiert. (red, DER STANDARD, 23.11.2013)

Im Jänner startet die neue Runde der Ausschreibung für "Ideen gegen Armut", bei denen die Projektpartner Coca-Cola, das NPO-Institut der WU und der STANDARD ihre Kräfte bündeln.

Link:

Ideen gegen Armut

  • Strahlende Siegerinnen mit Projektpartnern und Gutschein: (v. re.) Philipp Bodzenta (Coca-Cola), Michael Meyer (WU), Sonja Callahan (Coca-Cola), Renate Schnee und Christine Scholten (Nachbarinnen), Wolfgang Bergmann (Standard) Christian Horak (Contrast Management) und das Team von Grow Together rund um Katharina und Michael Kruppa.
    foto: iga

    Strahlende Siegerinnen mit Projektpartnern und Gutschein: (v. re.) Philipp Bodzenta (Coca-Cola), Michael Meyer (WU), Sonja Callahan (Coca-Cola), Renate Schnee und Christine Scholten (Nachbarinnen), Wolfgang Bergmann (Standard) Christian Horak (Contrast Management) und das Team von Grow Together rund um Katharina und Michael Kruppa.

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