Wrabetz: "Twitter wird nicht kleiner, wenn Armin Wolf nicht twittert"

21. November 2013, 16:02
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Moser Holding-Chef Petz für klare Kriterien bei Qualitätsförderung - Trial and Error-Prinzip bei Paid-Content kaum anwendbar

Wien - In einer von Digitalisierung geprägten Gesellschaft sollten Medien "eigentlich Lotsen sein". Ein Umstand, den nicht zuletzt die wirtschaftliche Situation erschweren würde, wie Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, konstatierte. Mit ORF-Chef Alexander Wrabetz diskutierte er am Mittwochabend über die Notwendigkeit höherer Förderungen, klare Qualitätskriterien und natürlich Twitter. Anlass: Der vor kurzem erschienene Journalisten-Report IV des Medienhauses Wien über Medienmanagement in Österreich.

Zeitenwende

Bei den Forderungen an die künftige Medienpolitik stand dabei eine Fördererhöhung ganz oben auf der Agenda. "Wir sind in einer Zeitenwende", stellte Petz fest. Für ihn nehmen die diesbezüglichen Gespräche aber oft eine falsche Richtung. "Ich möchte demokratiepolitisch notwendigen Journalismus fördern." Dafür klare Qualitätskriterien zu definieren, sei aus seiner Sicht keine Schwierigkeit - von der Mitgliedschaft bei Presserat und Mediaanalyse über die Journalisten als Anknüpfungspunkte bis hin zu einer Eigenproduktionsrate von mindestens 50 Prozent.

Petz: Diskussionswürdig, ob ORF-Anchorman "der größte Twitterer in Österreich" sein muss

Im Gespräch mit ORF-General Wrabetz waren dann auch die Social Media-Aktivitäten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Thema, sei es doch laut Petz zumindest diskussionswürdig, ob ausgerechnet ein ORF-Anchorman "der größte Twitterer in Österreich" sein muss. "Twitter wird nicht kleiner, wenn Armin Wolf nicht twittert und nicht größer wenn er twittert", sagt Wrabetz. Aus seiner Sicht sei es absurd, dass man über die marktbeherrschende Position von Facebook und Co jammere, diese aber gleichzeitig nutze. Aber die Realität habe sich eben so entwickelt.

Die Auseinandersetzungslinie, "auf die es ankommt", ist Wrabetz zufolge nicht mehr "das Match zwischen dem Printsektor und dem ORF". Neben internationalen Konkurrenten aus der Digitalbranche habe nicht zuletzt die Öffnung des Fernsehmarkts und die dadurch mögliche Einstrahlung ausländischer Privatsender zu einem Preisverfall bei der TV-Werbung geführt, der auch Auswirkungen auf das Printgeschäft habe.

Mittwochabend im Kurzmitteilungsdienst: Der Vieltwitterer freute sich über Follower Nummer 100.000 und betonte, dass sein Twitter-Account kein ORF-Angebot sei.

Zeitfrage

Beklagt wurden von beiden Medienmanager die Innovationsmöglichkeiten sowie die staatliche Unterstützung dafür. Für den ORF ist es nicht zuletzt eine Zeitfrage, ist er als öffentlich-rechtlicher Sender doch gesetzlich beschränkt und bedürfen Vorstöße in diese Richtung Genehmigungen, wobei es zu Verfahrenslängen von bis zu 14 Monaten kommen könne. Und dann seien neue Projekte "vielleicht schon gar nicht mehr relevant", erhofft sich Wrabetz diesbezüglich eine zügigere Vorgehensweise.

Trial and Error-Prinzip bei Paid-Content kaum anwendbar

Versuche im Paid-Content-Bereich seien wiederum deshalb schwierig, weil das Trial and Error-Prinzip kaum anwendbar sei, betonte Petz. "Wir müssen zuerst unser Jahresbudget sichern, und dann herrscht nicht die Stimmung, wo man kreativ über Modelle für die Zukunft nachdenkt." Dafür müsste die Finanzierung der Medien außer Streit gestellt werden. Schließlich würden Medien bei "der Begleitung des Wandels eine wesentliche Rolle spielen", wie Petz resümierte. "Also sollte man sie auch entsprechend fördern." (APA, 21.11.2013, red)

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