Wienerwald: Wenige Warten mit Wachstumsfantasie

22. November 2013, 17:17
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Von vielen historischen Aussichtstürmen schaut man lediglich in Bäume. Schon besser sieht es auf dem Troppberg aus

Wie hoch werden Bäume im Wienerwald? Jedenfalls höher, als die Erbauer mancher Aussichtswarten einst vermuteten. Denn viele Türme bieten heute keine Rundsicht mehr, weil sie von Wipfeln überragt werden. Die 1870 errichtete Warte auf dem Troppberg machte da keine Ausnahme, auch als man sie im Jahre 1962 "anstückelte", reichte das nicht sehr lange. Erst der aktuelle Turm mit seiner Plattform in einer Höhe von 24 Meter über Niveau löst - hoffentlich endgültig - dieses Problem.

Zu sehen sind etwa Schneeberg, Rax, Schneealpe, Ötscher, Gippel, Hochwechsel, Reisalpe, viele Gipfel des Wienerwaldes, Buschberg, ein kurzes Stück der Donau sowie die slowakische Hauptstadt Bratislava. Die erste Warte blieb als Denkmal erhalten, nur der röhrenförmige Zubau wurde gesprengt.

Beim Anstieg passiert man die Ruinen des 1457 gegründeten Franziskanerklosters "Zu unserer lieben Frau im Paradies", das 1529 von den Osmanen gestürmt und zerstört wurde.

Wo der Regen herrührt

Neben den Mauerresten liegt eine kleine Quelle, die angeblich Regen machen kann: Rührt man mit einem Stock im Wasser und betet drei Vaterunser, soll der Himmel bald darauf seine Schleusen öffnen. Begegnet man also trotz schönen Wetters einem Wanderer mit Regenschirm, möchte er höchstwahrscheinlich die Wirkung dieses Bründls im Klostergraben erproben.

Die einst beliebte Jausenstation Rabenstein existiert schon lange nicht mehr. Selbst der kleine Gedenkstein, der an einen Besuch der Kaiserin Elisabeth im Jahre 1891 erinnert, ist verschwunden oder überwuchert. Ob Sisi - bekanntlich eine höchst ausdauernde Geherin, die mit ihren ausgedehnten Touren die Hofdamen zur Verzweiflung und an den Rand der Erschöpfung brachte - auch den Troppberg besuchte, ist nicht überliefert. Es gilt aber als wahrscheinlich.

Die Route auf den Troppberg - der mit 542 Meter übrigens genau so hoch ist wie der Hermannskogel - bietet, wie fast alle Wanderungen im Wienerwald, keine Schwierigkeiten. Wegweiser und Markierungen sind in Ordnung, leider fehlt eine Raststätte an der Strecke, was bei der relativ geringen Gehzeit allerdings nicht besonders ins Gewicht fällt.

Die Wanderroute: Von der Passhöhe des Riederbergs geht es ein kurzes Stück nach Süden. Unmittelbar nach einer Autowerkstätte hält man sich rechts und steigt in den Graben ab, wo man nach links  auf die blaue Markierung einschwenkt und in einer knappen halben Stunde die Klosterruine erreicht. Weiter auf der blauen Markierung zum Saubühel, dann wechselt man auf Rot und gelangt über Rabenstein in den Sattel unterhalb des Troppbergs, um auf dem grünmarkierten Steig den Gipfel mit der Aussichtswarte zu "erklimmen". Die Gehzeit ab der Klosterruine beträgt 1½ Stunden.

Der Rückweg erfolgt auf der Anstiegsroute bis zum Saubühel, dann bleibt man auf der roten Markierung und wandert weiter bis zum Ausgangspunkt. Gehzeit ab Troppberg 1½ Stunden. (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 32.11.2013)

  • Eine herbstliche Wanderung durch den Wienerwald.

    Eine herbstliche Wanderung durch den Wienerwald.

  • Blick von der Troppbergwarte.
    foto: wienerwald tourismus gmbh/bauer

    Blick von der Troppbergwarte.

  • Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz 350 m. Kein Stützpunkt auf der Route, Gasthaus auf der Passhöhe. ÖK25V Blatt 5319-West (Tulln an der Donau), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz 350 m. Kein Stützpunkt auf der Route, Gasthaus auf der Passhöhe. ÖK25V Blatt 5319-West (Tulln an der Donau), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald Atlas, Maßstab 1:50.000

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