Wohlerworbene Stringtangas

Kolumne20. November 2013, 18:55
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Vielleicht sind solche aberwitzigen Summen ja verdient, weil Nationalbanker wirklich Übermenschliches leisten?

8,7 Milliarden Euro - so hoch ist laut Sozialministerium der Fehlbetrag bei den Pensionen bis zum Jahr 2018. Eine ernüchternde Erkenntnis, deren Konsequenzen uns allen noch Ungemach bereiten werden und nur die Wahl lassen, mit Resignation oder Zorn darauf zu reagieren. Wer eher die zweite Gefühlsregung bevorzugt, sich zu deren Hervorbringung aber zu resignativ fühlt, dem eilt wieder einmal die diesbezüglich verlässlichste Institution des Landes zu Hilfe: die Oesterreichische Nationalbank.

Schon Jörg Haider wusste die Emotionalisierungskraft zu nützen, die aus der dort praktizierten Handhabung des Themas Pensionen - eine hochkonzentrierte Mischung aus Unverschämtheit, Raffgier und Charakterlosigkeit - zu generieren ist. Um das nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, haben sich 972 Nationalbank-Pensionisten nun einer Klage angeschlossen, die verhindern soll, dass ihren kargen Renten fortan 3,3 Prozent Solidarabgabe abgezogen wird. Unter den Klägern befinden sich neben zahlreichen Exdirektoriumsmitgliedern mit Jahrespensionen weit über 250.000 Euro auch besondere Perlen wie der ehemalige Präsident Adolf Wala, der monatlich mit 31.915 Euro und 45 Cent durchkommen muss und zur Klage meint, es ginge ihm "ums Prinzip".

Aber vielleicht sind solche aberwitzigen Summen ja verdient, weil Nationalbanker wirklich Übermenschliches leisten? Mit der Klärung dieser Frage beschäftigt sich ein anderer Prozess, bei dem ein OeNB-Spitzenbeamter ausnahmsweise nicht als Kläger, sondern als Angeklagter auftreten wird. Dem ehemalige Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek wird in der Schmiergeldaffäre rund um die Banknotendruckerei OeBS unter anderem Beitrag zur Untreue, Geldwäsche und Bestechung vorgeworfen.

Dabei geht es auch um Spesenabrechnungen, die ahnen lassen, wie durchdacht und gleichzeitig unkonventionell dieser Staatsbetrieb mit Steuergeld umgeht. Sie enthalten neben wenig überraschenden Posten wie Gucci-Schuhen, Chanel-Taschen, Tiffany-Armbändern und Mont-Blanc-Federn auch Unerwartetes wie zum Beispiel Damenstrümpfe um 1619,40 Euro, eine Duschkabine, ein Bügelbrett, Pokerzubehör, eine Espresso-Maschine um 1200 Euro, Raumsprays mit Frühlingsduft, eine Radierung "Andenken an das liebe Wien", eine Geschirrspülmaschine, Kaugummi um 247 Euro, einen fahrbaren Gehbock, Trachtenhüte, Stringtangas und das Potenzmittel Cialis.

Bei diesen vom Direktorium genehmigten Ausgaben soll es sich um "Provisionen und Geschenke für Geschäftspartner" gehandelt haben. Ein hochdiffiziler Job also, der viel Fingerspitzengefühl erfordert, um beispielsweise zu erkennen, für welches Geschäft nun eine Duschkabine her muss, wo dafür ein Raumspray besser geeignet ist, oder ob die Gunst des Businesspartners eher mit einem Trachtenhut, einem Stringtanga oder einem Kaugummi zu gewinnen ist.

Wer sein Berufsleben lang derartige Entscheidungen verantworten muss, sehnt sich nach Belohnung für die Zeit danach. Der derzeit suspendierte Herr Duchatczek hat folgerichtig auch seine gefährdete Pension eingeklagt. Diese ist mit jährlich 215.360 Euro für Nationalbanker-Verhältnisse geradezu ein Nebbich. Aber schließlich geht es "ums Prinzip". (Florian Scheuba, DER STANDARD, 21.11.2013)

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