Mehr grün spielen - und das bitte unverkrampft

19. November 2013, 18:51
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Dem Theatermacher Hans Gratzer und seiner Ära am Wiener Schauspielhaus ist ein Buch gewidmet. "Lichterloh" wird am Donnerstag präsentiert

Wien - Wiener Theaterrefom? Die gab es schon immer. In den 1970er-Jahren etwa wurde das "Wiener Kleinbühnenkonzept" umgesetzt, wonach erstmals nennenswerte Gelder freien Gruppen zur Verfügung gestellt wurden. Es herrschte Aufbruchstimmung, und Hans Gratzer, der spätere Schauspielhaus-Intendant, war eine der Lichtgestalten dieses pulsierenden Jahrzehnts.

Ihm und seiner Ära hat Petra Paterno ihr heuer erschienenes Buch Lichterloh gewidmet. Es ist eine wissenschaftliche, sich insbesondere auf Interviews und Kritiken stützende Hommage an einen Theatermacher, der mit einem für damalige Verhältnisse progressiven Spielplan und vorausschauenden Inszenierungen so manche Großbühne alt aussehen ließ.

Von 1978 bis 2001 war Hans Gratzer mit vierjähriger Unterbrechung (in denen George Tabori ebenda sein Theater Der Kreis leitete) Intendant der wichtigen Wiener Mittelbühne. In chronologischen Etappen spürt die Autorin der Erweckung und Entwicklung des Hauses nach. Dabei wird ein vielschichtiges Bild von Hans Gratzers Theaterfamilie gezeichnet, das einerseits den Furor der Gründerzeit aufleben lässt, aber auch Einblicke in Arbeitsweisen ("Spiel mehr grün!") und die immer wieder waghalsige finanzielle Lage gibt.

Für ein Fachpublikum interessant sind dabei eingestreute Aufführungsanalysen (etwa Hamlet 1979), für die vor allem Unterlagen aus dem Privatarchiv von Dramaturgin Ingrid Rencher sowie Theaterkritiken diverser Printmedien herangezogen wurden.

Zu Wort kommen anlässlich legendärer Aufführungen wie der Rocky Horror Picture Show (1983) oder Bent - rosa Winkel (1980) u. a. Kollegen wie Karl Welunschek oder Michael Schottenberg, Schauspieler wie Erich Schleyer, Beatrice Frey, Markus Hering oder Justus Neumann, die Dramaturgen Ingrid Rencher und Werner Walkner. Der Band - mit zahlreichen Szenenfotos - wird am Donnerstag im Gespräch präsentiert. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 20.11.2013)

Musa, 1., Felderstraße 6-9, (neben dem Rathaus), 21.11., 19.00

Petra Paterno, "Lichterloh. Das Wiener Schauspielhaus unter Hans Gratzer von 1978 bis 2001", Edition Atelier 2013, 288 Seiten, € 19,95

  • Neben ihm sahen in den 1970ern am Theater viele alt aus: Schauspielhaus-Gründer Hans Gratzer.
    foto: michael bergk

    Neben ihm sahen in den 1970ern am Theater viele alt aus: Schauspielhaus-Gründer Hans Gratzer.

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