Der Bürgermeister ist außer Rand und Band

19. November 2013, 18:20
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Torontos Stadtoberhaupt Rob Ford verliert nach Drogenskandal immer mehr Rückhalt

In der Tragikkomödie um Torontos Bürgermeister Rob Ford, der mit einer Crackpfeife gefilmt worden ist, jagen sich die Tiefpunkte. Die Kanadier beobachten fassungslos, wie das 44-jährige Oberhaupt der größten kanadischen Stadt alle geltenden Regeln für die Würde von Politikern missachtet.

Als ihm am Montag Bürger während der Sitzung des Stadtrates, der Ford schrittweise die Macht entzieht, "Schande, Schande" zuriefen, begann er sie vor laufenden TV-Kameras zu beschimpfen. Zuvor hatte Ford gegenüber CNN erklärt, er wolle Premierminister werden. Doch während des Interviews bediente er sich, im Beisein von Kindern, einer vulgären Sprache - und entschuldigte sich hinterher amüsiert dafür.

Solch halbherzige Entschuldigungen haben die Kanadier von Ford nun zu viele gehört: für Fahren im angetrunkenen Zustand; für obszöne Wörter vor TV-Kameras; für das Eingeständnis, dass er illegale Drogen kaufte, während er schon Bürgermeister war; dafür, dass er früher Crack geraucht hat; für seine Todesdrohungen gegen eine unbekannte Person auf einem Handyvideo.

Anschuldigungen ehemaliger Mitarbeiter in jüngst veröffentlichten Polizeidokumenten, die von einer angeblichen Prostituierten in seinem Büro sprachen oder davon, dass seine Mitarbeiter für ihn Alkohol einkaufen mussten, weist Ford dagegen zurück.

In Kanada herrscht Ratlosigkeit, wie man den außer Rand und Band geratenen Magistraten stoppen soll. "Wir wissen einfach nicht, wie man auf dieses Ausmaß von Fehlverhalten reagieren soll", schreibt der Kolumnist Andrew Coyne in der National Post. Zum ersten Mal hat sich am Montag ein Sprecher von Premierminister Stephen Harper dazu geäußert: Die jüngsten Vorwürfe seien "beunruhigend": Die Regierung billige illegalen Drogenkonsum nicht, "speziell bei amtierenden, gewählten Politikern."

Drogensucht negiert

Bis vor kurzem war Rob Ford für die konservative Harper-Regierung ein wichtiger politischer Verbündeter gewesen. Ford war der Mann, der für die Tories Linke und Liberale in Schach hielt. Jetzt wird der Politiker, der sich selbst nicht für alkohol- oder gar drogensüchtig hält, zu einer Belastung.

Ford, der sich trotz Forderungen von allen Seiten vehement weigert zurückzutreten, ist immer noch Bürgermeister. Der Stadtrat hat zwar begonnen, ihm immer mehr Befugnisse wegzunehmen. Aber ein Verfahren, gewählte Bürgermeister ihres Amtes zu entheben, gibt es in Toronto nicht.

Rob Ford mag in seiner Selbstüberschätzung von einer nationalen Karriere träumen. Aber in Toronto distanzieren sich immer mehr von ihm. Fords loyale Anhänger bleiben jene Leute in den Vorstädten, die ihn wegen seiner Steuersenkungen wählten und ein tiefes Misstrauen gegenüber der liberalen Elite hegen. Dafür sind sie offenbar bereit, Ford alle Fehltritte zu verzeihen.

Doch das könnte sich ändern. Zum Beispiel dann, wenn er - wie er androhte - rechtlich gegen den Stadtrat von Toronto vorgeht und sich das von den Steuerzahlern bezahlen lässt. (Bernadette Calonego aus Vancouver, DER STANDARD, 20.11.2013)

  • Bürgermeister Rob Ford
    foto: ap photo/the canadian press, chris young

    Bürgermeister Rob Ford

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