Frau Engelke sucht das Glück

19. November 2013, 16:52
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"Wenn die mir den Magen wegnehmen, wo sind die Schmetterlinge jetzt?", will Sarah von ihr wissen

Nein, einfach will sie es sich nicht machen. Sie will nicht zum Lachyoga, sondern dorthin, wo man das Glück nicht vermutet. Wenn sich Anke Engelke auf die Suche nach dem Glück begibt, dann wird die Komikerin ganz ernst. Für die ARD-Reportage "Sowas wie Glück" macht sie Station in der Kinderklinik.

"Wenn die mir den Magen wegnehmen, wo sind die Schmetterlinge jetzt?", will Sarah von ihr wissen. Mit Tobi lernt Engelke Jonglieren, er ist an Leukämie erkrankt, ein normales Leben wäre für ihn das größte Glück. Anke spricht mit Kindern und Eltern, stellt die richtigen Fragen, ist oft unsicher und deshalb nie peinlich.

Es wird auch dann nicht peinlich, wenn sie "Yesterday" vor sich hin summt. Weil Singen glücklich machen soll, gründet sie den "Chor der Muffeligen" . Drei Monate lang wird geprobt, am Ende stehen Konzert und Speichelproben. Gemessen wird das Glückshormon Oxytocin. "Bei jedem einzelnen gab es einen Anstieg, grob si­gnifikant" , erklärt ein Wissenschafter. "California Dreamin'" trällern die jetzt Glücklichen.

Glück findet Engelke auch in der Dorfkommune Tempelhof. Hundert Menschen probieren dort gemeinschaftliches Leben. Skeptisch macht sie mit beim Morgenkreis mit Händehalten. "Mit der Linken gibt man, mit der Rechten empfängt man", wird sie aufgeklärt und wundert sich, dass ihr das nicht unangenehm ist. Sie lernt Melken, Stallausmisten. "Man ist mittendrin, alles greift ineinander" , resümiert sie.

Später besucht Engelke wieder den kranken Tobi. Er weiß, er wird bald sterben, bespricht mit ihr sein Testament. "Wenn er gestorben ist, will er mein Schutzengel sein" , sagt Tobis Mutter zu ihr. Engelke weint. Auch das ist nicht peinlich. (Astrid Ebenführer, DER STANDARD, 20.11.2103)

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