Komet ISON möglicherweise bereits auseinander gebrochen

19. November 2013, 13:30
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Flügelartige Strukturen am Schweifstern weisen darauf hin, dass sich ein oder mehrere Brocken vom Kern gelöst haben

Es geschieht nicht häufig, dass ein Komet so viel Aufmerksamkeit bekommt. Seit seiner Entdeckung im Vorjahr durch russische Amateurastronomen hat C/2012 S1 (ISON) einen Dauerplatz in der Berichterstattung. Einer der Hauptgründe dafür dürfte die anfängliche Prognose gewesen sein, dass der Komet gegen Jahresende für einen fulminanten Auftritt am Sternenhimmel sorgen könnte. ISON würde dabei zeitweise die Helligkeit des Vollmondes erreichen, hieß es zu Beginn.

Mittlerweile haben Experten ihre Erwartungen zurück geschraubt: Sofern er die enge Passage um die Sonne überleben wird - seine Bahn führt ISON am 28. November nur rund eine Million Kilometer an der Sonnenoberfläche vorbei - wird der Schweifstern allenfalls mit der scheinbaren Helligkeit der Venus zu sehen sein, lautet die aktuellste Prognose.

Auffällige Strukturen beobachtet

Neue Entwicklungen auf ISONs Reise Richtung Sonne deuten jedoch darauf hin, dass selbst das zweifelhaft ist. Ein unerwarteter Helligkeitsanstieg vor wenigen Tagen weist darauf hin, dass der Komet bereits am Auseinander brechen ist.

Aktuelle Bilder des Kometen, die Wissenschafter des Wendelstein-Observatoriums sowie des Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung aufgenommen haben, zeigen zwei auffällige flügelartige Strukturen. Zunächst waren die "Flügel" am 14. November noch recht schwach ausgeprägt, inzwischen sind die Ausbuchtungen deutlich zu erkennen. "Solche Strukturen treten typischerweise auf, nachdem sich einzelne Bruchstücke vom Kern eines Kometen abgelöst haben. Unsere Berechnungen deuten darauf hin, dass sich entweder ein Brocken abgelöst hat oder höchstens sehr wenige Trümmer freigesetzt wurden", sagt Hermann Böhnhardt vom MPI für Sonnensystemforschung.

Zusammenhang mit Helligkeitsanstieg

Wie der Kern des Kometen verteilen auch seine Bruchstücke Gas und Staub in die Umgebung. Dort, wo sich die Emissionen des Schweifsterns und der kleineren Brocken treffen, entsteht eine Art Trennschicht, die oft eine flügelartige Gestalt annimmt. Ob das Abspalten der Bruchstücke auch für den Helligkeitsanstieg der vergangenen Tage ursächlich ist, lässt sich laut Böhnhardt nicht mit Sicherheit sagen.  Bei anderen Kometen sei ein solcher Zusammenhang jedoch nachgewiesen worden.

Welche Entwicklungen der Komet in den kommenden Wochen durchmacht und vor allem, ob ISON die Sonnenpassage überstehen wird, ist noch unklar. "Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen jedoch, dass Kometen, die einmal Bruchstücke verloren haben, dazu tendieren, das wieder zu tun", meint der Kometenforscher. (red, derStandard.at, 19.11.2013)

  • Die jüngste Aufnahme zeigt die Gasumgebung des Kometen ISON mit zwei flügelartigen Strukturen. Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung halten dies für ein Zeichen, dass sich Bruchstücke vom Kometen gelöst haben.
    foto: observatorium wendelstein der lmu / mps

    Die jüngste Aufnahme zeigt die Gasumgebung des Kometen ISON mit zwei flügelartigen Strukturen. Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung halten dies für ein Zeichen, dass sich Bruchstücke vom Kometen gelöst haben.

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